Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

Vor- und Frühgeschichte

Für die Jahrtausende vor der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 766 gilt das Resümee von Ronald Knöchlein, dass es nicht möglich ist, „Zusammenhänge der naturräumlichen Vorgaben der so abwechslungsreichen Gau-Algesheimer Landschaft mit dem Siedlungsverhalten der bereits vor Jahrtausenden hier anwesenden Menschen nachzuspüren“ und sichtbar zu machen. „Erst mit dem Beginn des Neolithikums, also mit dem Einzug bäuerlicher Kultur im späteren 6. Jahrtausend v. Chr. ist für den Gau-Algesheimer Gebietsausschnitt von dauerhafter Besiedlung auszugehen.“ (Ronald Knöchlein, Gau-Algesheim, Von der Vorgeschichte zur Ortsgeschichte, Mitteilungsblatt zur rheinhessischen Landeskunde, Neue Folge, Themenheft Gau-Algesheim, Jahrgang 12, Rheinhessische Druckwerkstätte Alzey, 2010, S. 5-21; 5)

Die Region zwischen Rhein und Nahe erfuhr vor allem in der Römerzeit, also in der Zeit vom 1. Jh. v. Chr. bis in die Mitte des 5. Jh. n. Chr. Veränderungen, deren Spu-ren bis heute sichtbar gemacht werden können: neue Siedlungsformen und eine Bevölkerung, die „direkt und indirekt im Gefolge des römischen Militärs in erster Linie aus dem Westen von Gallien her zugezogen (war). Diese Menschen waren es, die der Römerzeit in Rheinhessen ein vor allem gallorömisches Gepräge verliehen.“ (Knöchlein, S. 9)

Katalog der Funde in den Gemarkungen Gau-Algesheim und Laurenziberg (unveröffentlicher Fundkatalog von Gerd Rupprecht, Zusammenstellung vom Helmut Becker im Gau-Algesheimer Lesebuch, 1999, S. 248-251, neuere Ergänzungen)

Funde aus der Jungsteinzeit (3500 - 1800 v. Chr.)

  • Gewann „In der Baummuhl“, 1930, zwei Depotfunde; Steinwerkzeuge der Bandkeramik: Meißel, Pflugschare, Schuhleistenkeil
  • Gewann „In der Baummuhl“, vor 1936, zwei Steinbeile und bandkeramische Scherben
  • Am Judenfriedhof, vor 1924, Töpfe mit Spiralen verziert
  • Fundort und -zeit unbekannt, Glockenbecher, wahrscheinlich Grabbeigabe
  • Fundort und -zeit unbekannt, Feuersteinspan von fast 21 cm Länge aus der Glockenbecherkultur
  • Stolzenberger Weg/westliche Umgehung, 1981/82, Keramik, Knochen, Steingeräte und Steine mit Brandspuren aus Jungsteinzeit und Urnenfelderkultur
  • Trappenschießer, 1936, Grabanlage aus der beginnenden Urnenfelderkultur: rechteckig, gemauert, 3,60 m lang, 2,40 m breit, 1,30-1,50 m hoch, Gefäßscherben und bronzene Lanzenspitze; „Restinventar eines wohl schon in alter Zeit ausgeraubten Fürstengrabes“ Ausstellungskatalog des Altertumsmuseums Mainz, 1958
  • Fundort unbekannt, vor 1936, Funde aus Urnenfeldergrab: Ringfußurne, einschneidiges verziertes Messer und Rasiermesser aus Bronze
  • Bau der Ludwigsbahn (Mainz-Bingen), vor 1859, Fragment eines eisernen Schwertes und eines kleinen Tonschälchens aus dem Anfang der Hallsteinkultur

Bronze- und Eisenzeit (1800 - 100 v.Chr.)

  • Fundort unbekannt, vor 1856/57, bronzener Armring mit Petschaftsenden aus der Zeit der keltischen Wanderungen
  • Einmündung Ockenheimer und Binger Straße, 1901, (Kinder-)Grab mit Bruchstücken zweier Bronzefibeln, Armring, Eisengeräten; dazu Flasche, Becher, urnenartiges Gefäß und Napf, evtl. Kinderspielzeug, Tierknochen
  • Einmündung Ockenheimer und Binger Straße, 1902, mehrere Töpfe
  • Bahnwärterhäuschen an der Ockenheimer Straße, 1929, Urnenbrandgrab mit Tongefäß und Eisenringfragmente
  • Einmündung Ockenheimer und Binger Straße, 1930, Brandgrab, Urne mit Knochen, Schüssel, Schlauchbecher, Scherben einer kleinen Flasche
  • Fundort unbekannt, 1890, zwei Tongefäße, schlauchförmige Urne und schwarze Schüssel
  • Fundort und -zeit unbekannt, Skelettgrab mit Schalenfragment
  • Fundort und -zeit, eisernes Messer mit tordiertem Griff

Römische Zeit ab 50 v. bis 450 n. Chr.

  • Berger Hall 1946, Villa Rustica - Berger Hall, 1991, Scherbe von Bilderschüssel mit Stempel „RES“, Randscherbe, Becher mit Griesbewurf, Teller
  • Wasserhaus Laurenziberg, 1920, römischer Militärziegel mit Stempel „PORTS“
  • Bahnhof, unbekannt , Römischer Steinsarg mit Ton- und Glasgefäßen
  • Fundort unbekannt, 19. Jh., Römische Münzen: je drei Denare aus der Republik, der Regierungszeit des Vespasian (69-79) und des Antoninus Pius (138-161)
  • Fundort unbekannt, 19. Jh., Bronzebeschlag und eiserner Ring
  • Fundort unbekannt, ca. 1930/33, Sigillata-Fragmente aus Brandgrab
  • Kloppgasse, 1921, möglicherweise Reste einer römischen Wasserleitung: Schacht, 2 m lang und tief, 0,80 m breit, Abdeckplatte aus Kalkstein; Leitung führt in Richtung Marktplatz
  • Fundort und -zeit Unbekannt, vier Brandgräber mit drei auf einer Scheibe gedrehten Urnen, einer handgemachten Urne und einer Fibel
  • Laurenziberg, 1933, Gräber mit Tonscherben, Türpfosten, Nadeln und Spangen
  • Eckelsbach, unbekannt, Brandgrab mit Scherben einer Schrägrandurne, eines Henkelkruges, eines Kruges und eines Topfes; Schieferstücke der Grababdeckung - Berger Hall, 1920, Ziegeln
  • Gewerbegebiet, ca. 1957/58, Bauschutt und Keramik in Kulturschicht - Kirchbau, 1887, urnenartiges Krüglein aus Ton
  • Goethestraße, 1974, Münze des Kaisers Hadrian (117-138 n.Chr.)
  • Im Winkel, nach 1945, Öllampe 
  • Ockenheimer Straße, ca. 1950, Bruchstein-Mauerwerk
  • Weingut Gerharz-Hochthurn, nahe der östliche, Gemarkungsgrenze
  • Oberes Ende des Eckelsbachtals, Reihengräberfeld mit Lanzenspitzen und ein zweischneidiges Langschwert als Grabbeigaben.

zwischen 500 und 600 n. Chr.

Nach der fränkischen Landnahme Gründung von "Alagastesheim"; Spuren merowingischer Gräber im Stadtgebiet,

nach 700

Im Zuge der iro-schottischen/angelsächsischen Mission wird zunächst die Kirche in Bergen/Laurenziberg Mittelpunkt der sich bildenden christlichen Gemeinde. Im Bereich des merowingisch-fränkischen Königshofes wird eine dem hl. Martin geweihte Kirche errichtet.