Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

766 - 1496

766, 22. November: Erste urkundliche Erwähnung von Gau-Algesheim im Codex Laureshamensis: Nanther und Hiltrud schenken dem Kloster Lorsch eine „Manse“ mit 20 Morgen Pflugland in der Gemarkung Alagastesheim im Wormsgau.

767, 1. November: Erste urkundliche Erwähnung des Stadtteils Laurenziberg im Lorscher Kodex: Rudolf schenkt dem Kloster Lorsch einen Unfreien, seinen gesamten Besitz und einen Weinberg in der „Bercheimer Marca“ (Bergen).

983, 14. Juni: Durch die Veroneser Schenkung von Kaiser Otto II. an Erzbischof Willigis von Mainz kommt das „Binger Land“ mit Algesheim, diesseits des Rheines von der Brücke über die Selzbach bis nach Heimbach („cis Renum a ponte super Salisum rivum extento usque Heinbach“) zum Erzbistum Mainz, dem es mehr als 800 Jahre bis zum Ende des Alten Reiches angehört.

1112: Der Mainzer Erzbischof Adelbert (Adalbert I. von Saarbrücken, 1111-1137) bestätigt die Schenkung von Gütern durch seinen Vorgänger Luitpold (1051-1059) an das Kloster Jakobsberg in Mainz "in pago nachgowe in villa Algesheim in loco moseburch".

Erste urkundliche Erwähnung einer Burg in Gau-Algesheim, genannt „Moseburg“ sowie erste urkundliche Nennung eines Weinbergs „Im Katzenloch“.

1130: Eine Ministerialenversammlung im Kloster Johannisberg, zu der Erzbischof Adalbert I. seine Berater und Dienstleute zusammenruft, belegt erstmals die Verbindung von Algesheim zum Rheingau.

1268: Erste Erwähnung eines Ortsgerichts mit Richter (Judex) und Schöffen (Scabini). Es entsteht aus dem Hofgericht des erzbischöflichen Fronhofes bzw. des früheren Königshofes.

1302: Schulheiß und Schöffen sind Träger der örtlichen Gerichtsbarkeit. Algesheim besitzt ein Spital mit eigenem Grundbesitz.

1332, 23. August: Kaiser Ludwig der Bayer verleiht zu Nürnberg auf Bitten des zum Mainzer Erzbischof gewählten Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg den Orten Algesheim und Eltville „die Freiheit von Frankfurt, das Recht der Ummauerung und einen Wochenmarkt“.

1334: Der Edelknecht Peter Gruel von Bingen bezieht als Burglehen zu Klopp zwei Mark von den Judensteuern zu Algesheim.

1336: Peter Gruel hat das Amt des Schultheißes bis 1341 und von 1341 bis 1346 inne. In seine Amtszeit fällt der Aufbau der Stadtbefestigung. Der Graulturm ist nach ihm benannt.

1339: Erzbischof Heinrich von Virneburg belehnt den Ritter Johann von Lorch mit dem Schultheißenamt sowie dem bedeutenden Weinmarkt in Algesheim. Dieser fand einmal jährlich statt.

ab 1341: Städtisches Leben entwickelt sich durch Ansiedlung von Kaufleuten und Handwerkern. Erwähnung finden Heringshändler, Schmiede, Bäcker, Bartscherer, Küfer, Schneider, Krämer. Zahlreicher Ortsadel ist im Stadtgebiet ansässig, Klöster verfügen über umfangreichen Grundbesitz in der Gemarkung. Der Ort ist von einem Graben umgeben, als Durchgänge werden Pforten errichtet.

1344: Errichtung der Klopp-Pforte und der Heupforte. Die Heupforte (Heuer- oder Herrenpforte) wird 1812, die Klopp-Pforte 1819 niedergerissen. Die Entfernung vom Heutor bis zum Klopptor (Nord-Süd) beträgt 420 Meter.

1345: Ein für den 1332 verliehenen Wochenmarkt vor der Pfarrkirche errichteter Marktplatz wird erstmals genannt.

1346: Errichtung der Neupforte oder Mainzer Pforte, 1819 niedergerissen. Die Entfernung von der Neupforte bis zur Mauer am "Graben" (Ost-West) beträgt 325 Meter.

1350, 28. Mai: Algesheim schließt mit anderen kurmainzischen Städten einen Vertrag mit dem vom Papst bereits abgesetzten Erzbischof Heinrich von Virneburg, der sich noch gegen Gerlach von Nassau behauptet.

1355, 11. Februar: Auf Bitten des Mainzer Erzbischofs Gerlach von Nassau erneuert König Karl IV. zu Pisa aus militärischen Gründen die Stadtrechte für Algesheim wie auch für Höchst am Main.

1358: Erste urkundliche Erwähnung des „Judenkirchove“ in der Flur „Am Judensand“, der Begräbnisstätte der Gau-Algesheimer Juden.

1370: Kompetenzausweitung des Algesheimer Schultheißen auf die Orte Ockenheim und Gau-Bickelheim. Das Amt Algesheim entsteht.

1397: Erwähnung des Martinspatroziniums für die Pfarrkirche.

1417, 15. Juli: Erzbischof Johann II. von Nassau erlässt eine neue Gemeindeordnung, beschneidet Gericht, Stadtrat und Bürgern die mit der Zugehörigkeit zum Rheingau verbundenen Freiheiten und Rechte. Er ernennt einen „Landschreiber“ mit Residenzpflicht im Schloss Ardeck, der allen Amtshandlungen beiwohnt.

um 1430: Peter Bischof, der spätere Baumeister und Steinmetz ("Meister Peter von Algesheim") am Straßburger Münster bei Jodokus Dotzinger, wird in Algesheim geboren.

1439: Die Kanzlei des Konzils von Basel (1431 - 1449) schreibt an den Probst des bei Weisenau gelegenen Stiftes von St. Viktor ("extra muros Maguntinenses") betr. die Auseinandersetzung des Mainzer Diözesanpriesters Peter Swinde mit einem Conradus über die Einkünfte eines Altars der Kirche in "Algißheym".

1440, Januar: In zwei Schreiben aus der Algesheimer Burg an den Rat zu Frankfurt äußert sich der Kurfürst Dietrich von Mainz zur bevorstehenden Königswahl über das mitzubringenden Gefolge und die Beteiligung Böhmens (7. Januar) und ermahnt den Rat, niemanden in die Stadt zu lassen, der nach der Goldenen Bulle dazu nicht berechtigt sei (14. Januar). Die Wahl des Habsburgers Friedrich III. zum römisch-deutschen König verlief am 2. Februar 1440 reibungslos.

1444: Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach (1434-1459) lässt die „Moseburg“ zu einem wehrhaften Schloss ausbauen, wo er sich mehrfach aufhält. Die Anlage ist von einem breiten Wassergraben umgeben.

1459, 14. Juli: Erzbischof Diether von Mainz bestätigt dem Rheingau "oben und unten von Walluf bis Lorschhausen" seine alten Rechte, Freiheiten, Gnaden, Herkommen und Gewohnheiten und fügt hinzu, dass die von Bingen und Algesheim von Alters her zu seinem Land Rheingau gehören.

1461 – 1480: Erzbischof Adolf von Nassau verpfändet während der „Mainzer Stiftsfehde“ Schloss und Stadt Algesheim an seinen Verbündeten, den Markgrafen Karl von Baden. Dieser gibt 1466 das Pfandrecht an den Grafen Philipp von Katzenelnbogen, um sich aus der Gefangenschaft im Heidelberger Schloss zu befreien, in die er während des badisch-pfälzischen Krieges und der Mainzer Stiftsfehde geraten war.

1463, 2. Februar: Während einer Auseinandersetzung zwischen dem kur-pfälzischen Ingelheim und dem kurmainzischen, an Baden verpfändeten Algesheim kommen an Lichtmess zehn Soldaten aus Algesheim zu Tode, 24 werden gefangen genommen; für deren Befreiung müssen 300 fl. bezahlt werden.

1464, 9. April: Peter Bischof unterschreibt die Speyrer Steinmetzordnung an vierter Stelle nach Jost Dotzinger als „Meister Peter von Algesheim, Meister zu Nühüsen (Worms-Neuhausen)“.

1468, 20. Juni: Markgraf Karl von Baden, Graf zu Sponheim, und Graf Philipp von Katzenelnbogen treffen eine Eheabrede zwischen Karls Sohn Christoph und Ottilie, Tochter seines verstorbenen Sohnes, des Grafen Philipp von Katzenelnbogen, die folgende Punkte enthält: Graf Philipp übergibt seiner Enkelin Ottilie 16.000 fl. Kapital auf Burg und Dorf Algesheim mit den zugehörigen Dörfern, Amtleute und Kellner der Graf Philipp verpfändeten Orte Stadecken und Algesheim. Die Zollschreiber, Beseher und Zollknechte zu Ehrenfels müssen den Verlobten nach Vollzug des Beischlafs huldigen, Ottilie steht nach Christophs Tod ein lebenslänglicher Sitz in Stadecken oder Algesheim zu. Wird Algesheim eingelöst, soll sie ander-weitig versorgt werden.

1473, 1. Mai: In einer Urkunde der Bauhütte am Straßburger Münster ("Hüttenbrief") wird Peter Bischof von Algesheim als "der statt murer" bezeichnet.

1480: Erstmals findet sich das Mainzer Rad im Gau-Algesheimer Stadtwappen ausweislich des Wappensteins am Rathaus.

1496, 14. - 16. Juli: Für eine "Kundschaft" über Rechte und Übergriffe des Pfalzgrafen werden auch Einwohner aus Algesheim befragt: Peter Harkes, Patzenhen, Cles Drost und Cles Rusperger.