Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

  • Stadtchronik

Daten zur Stadtgeschichte

Stark vergrößerte Signatur für Algesheim im "Abriß des Reinstroms welcher gegent zwischen Coblentz und Engers Marquis Spinola über gesetzt und in Teutschlandt marchirt desgleichen wo der Marggraff von Anspach sich gelagert etc.", Sigismund Latomus, Kupferstich 1620  (= Variante der entsprechenden Karte von 1632)


Chronik der Stadt

Diese Chronik, auf der Grundlage einer Zusammenstellung von Manfred Wantzen und der einschlägigen Stadtgeschichten verfasst, modifiziert die traditionellen Epochenbezeichnungen für den Gang der Gau-Algesheimer Geschichte.

Nach den Daten zur Vor- und Frühgeschichte beginnt das Mittelalter  für die Stadtchronik mit den ersten urkundlichen Erwähnungen von Algesheim und Bergen nach dem Lorscher Kodex.

Die Neuzeit nimmt in unserer Stadt ihren Anfang sowohl mit den Spuren der Reformation, als auch mit der Teilnahme Gau-Algesheimer Bürger an der "Rheingauer Empörung" im Jahr 1525, die mit der neuen Landesordnung des Mainzer Erzbischofs von 1527 in die Abtrennung der Stadt vom Rheingau mündet. Sie reicht bis zum Ende des alten Reiches und des Mainzer Kurstaates und entwickelt Elemente einer neuzeitlichen Gesellschaft, die zuletzt in der Mainzer Republik (1792/93) und dem Veränderungen während der Zugehörigkeit zu Frankreich ihren Ausdruck finden.

Die folgenden Ereignisse sind dem 19. Jh. und der 1. Hälfte des 20. Jh. zugeordnet.

Zeitabschnitte

  • Mittelalterliches: 766 - 1499
  • Die Neuzeit im Alten Reich: 1500 - 1799
  • Modernisierung und Grenzen: 1800 - 1899
  • Vorkriegszeit - Krieg - Nachkriegszeit: 1900 - 1949


Das ehemals kurmainzische Algesheim

Ausschnitt aus: Novae archiepiscopatus Moguntini tabulae Moguntiae von Nicolaus Person (+ 1710)


"Algesheim im Rheinland"

Die in Mainz zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Netty Reiling geborene Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983) veröffentlichte im Jahre 1965 ein Bändchen mit neun Erzählungen unter dem Titel „Die Kraft der Schwachen“. „Agathe Schweigert“, eine dieser Erzählungen, die in der Zeit zwischen den Weltkriegen spielt, nimmt ihren Anfang in unserer Heimatstadt Gau-Algesheim.

Die Konturen des kleinen Algesheim zeichnet Anna Seghers so, als habe sich die kleine Netty Reiling bei den Bahnfahrten von Mainz nach Bingen die Nase am Fenster platt gedrückt, um nichts zu verpassen, wenn die Felder und Ortschaften vorbeihuschen: mit den Jahren legten sich ein paar neue Straßen um den ursprünglichen Stadtrand. Eine Konservenfabrik war entstanden, ihre Spargel und Erbsen waren bekannt. Bahnlinien berührten Algesheim; das Städtchen erhielt einen neuen Rangierbahnhof. Bald bildeten mehrere Häuserblocks, meistens von Eisenbahnern und Eisenbahnarbeitern bewohnt, ein Anhängsel mehr als einen Vorort.

Anna Seghers Sohn Pierre Radvanyi (*1926) erinnert sich, dass die Familie manchmal von Mainz zu Bekannten nach Bingen gefahren ist und seine Mutter Gau-Algesheim vom Zug aus wahrnehmen konnte.

Anna Seghers aber beschließt ihre Erzählung mit folgenden Worten: Im Frühjahr 1941 schlief ich auf einer Antillen-Insel in einer Baracke mit vielen spanischen Frauen. Wir warteten alle auf Schiffe, um in die Länder zu fahren, die uns Asyl versprochen hatten. Die spanischen Frauen sangen oft, sie waren erregt in Leid und Freude, in Sicherheit und Ungewißheit. Unter ihnen saß eine kleine dünne Frau, grau waren ihr Haar und ihr Gesicht, sie sah anders aus als die spanischen Frauen, sie war auch immer stumm. Einmal, als sie einem Kind einen Knopf annähte, entfuhr ihr auf deutsch: 'Halt still!' Ich fragte sie, woher sie stamme, und sie erwiderte: 'Aus dem Rheinland, aus Algesheim.' Wir saßen an diesem Abend lange zusammen. Bald darauf fuhr ich ab. Ich weiß nicht, ob sie noch lebt. Hier steht, was ich von ihr weiß.

Karte von 1905


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