Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

Die Patrone der Gau-Algesheimer Pfarrkirche


1501 - 1797

1501: Algesheim kommt anlässlich einer Überführung der Reliquien quer durch Deutschland erstmals mit den Heiligen Kosmas und Damian in Berührung.

1515: Erster Abdruck eines Gerichtssiegels mit der Umschrift „s. des gerichts zu algesheim“ mit dem stehenden sechsspeichigen Mainzer Doppelrad, verbunden durch ein liegendes Doppelkreuz im Schild.

zwischen 1520 und 1525: Der Pfarrer Johannes Bernardi hält um 1523 in Gau-Algesheim Predigten reformatorischen Inhalts und wird deshalb auf der Mainzer Mühlpforte inhaftiert. Am Markustag 1525 von Mainzer Bürgern befreit, wird er auf Beschluss des Rates fest angestellter Prädikant in Frankfurt am Main. Zusammen mit Dionysius Melander betreibt er die Durchsetzung der Reformation, weiß, „kühn, schroff und populär“ zu predigen und erhält nach seiner früheren Wirkungsstätte den Beinamen „der Algesheimer“.

1525, 29. April: Gau-Algesheimer Einwohner beteiligen sich an der Rheingauer Bauernerhebung. Der Aufstand hatte am 26. April 1525, dem St. Georgstag, in Eltville begonnen, dann ging der "gemeine Schrei" durch die Landschaft, die sich auf dem "Wacholder", der traditionellen Gerichtsstätte auf halbem Weg zwischen den Rhein und dem Kloster Eberbach, versammelte.

1525, 25. April: Am Markustag 1525 wird Johannes Bernhardi von Mainzer Bürgern aus seiner Haft befreit.

1525, 26. April: Der Aufstand beginnt am St. Georgstag in Eltville, dann geht der "gemeine Schrei" durch die Landschaft, die sich auf dem "Wacholder", der traditionellen Gerichtsstätte auf halbem Weg zwischen den Rhein und dem Kloster Eberbach, versammelt. Dort hat schon im Sommer 1523 der Mainzer Domprediger Kaspar Hedio die neue Lehre verkündigt.

1525, 2. Mai: Einwohner von Winkel ziehen als erste bewaffnet „ohne Bescheid der Obrigkeit und Räte des Landes“ auf den Wacholder bei Erbach. In den folgenden Tagen kommen auch die anderen Gemeinden des Rheingaus sowie die Orte Flörsheim und Hochheim am Main dorthin.

1525, 19. Mai: Der Statthalter des Erzbischofs, Bischof Wilhelm von Straßburg, und das Mainzer Domkapitel bewilligen die 31 „Artickel der beschwerung gemeyner lantschaft des Ringgaws“. Die Mehrzahl der Versammelten zog daraufhin in ihre Gemeinden zurück.

1525, 23. Mai: Vor dem Statthalter des Mainzer Kurfürsten im Schloss zu Eltville schließen die Ämter des Rheingaus („Wir Edel und Bürger gemeiner Landschaft im Rheingau, Eltfeld, Oestrich, Algesheim, Rüdesheim und Lorch“) einen Vertrag, jeden Flecken zu besichtigen, um die alten Klagen der Ämter Algesheim und Lorch über Ungleichheit der Lastenverteilung zu beheben und sich in gleiche, brüderliche Form zu stellen. Im Hochgefühl, einen Sieg gegen den Landesherrn und das Mainzer Domkapitel errungen zu haben, geht die Versammlung auf der Wacholderheide zu Ende. Die Zeche müssen die Mönche des Klosters Eberbach bezahlen: „Zu Ehren Gottes und der evangelischen Freiheit“, so ein mit den Aufständischen sympathisierender Autor des 19. Jahrhunderts, verzehren die Rheingauer 600 Scheffel Mehl und Getreide, fast alle Ochsen, Kühe, Schafe, Hühner, Tauben und Kälber sowie das geräucherte Fleisch und die Käsevorräte des Klosters. Das Große Fass im Keller wird „bis auf die Nagelprobe“ geleert. Die durstige Rotte hat fast 300 Ohm Wein, das sind etwa 45.000 Liter, getrunken.

1525, 4. Juni: Am ersten Pfingsttag predigt Johannes Bernhardi erstmals in der Frankfurter Leonhardskirche, während Dionysius Melander im Dom und für die Altgläubigen Pfarrer Michael Groß in der Peterskirche sprechen.

1525, 11. Juni: Georg Truchsess von Waldburg („Bauernjörg“), der Oberste Feldhauptmann des Schwäbischen Bundes, fordert die Rheingauer auf, sich „in gnade und ongnade des bundts (zu) begeben“

1525, 13. Juni: Um nach dem Scheitern des Aufstandes der Frankfurter Zünfte die innere Situation in der Stadt wieder zu stabilisieren, wird auf Beschluss des Rates der Stadt Frankfurt Johannes Bernhardi fest angestellter lutherischer Prädikant in Frankfurt am Main. Zusammen mit Dionysius Melander betreibt er die Durchsetzung der Reformation, weiß, „kühn, schroff und populär“ zu predigen und erhält nach seiner früheren Wirkungsstätte den Beinamen „der Algesheimer“. Die beiden protestantischen Prediger, die sich im Abendmahlsstreit dem schweizerisch-oberdeutschen Bekenntnis nach Zwingli anschließen, tragen durch ihre undiplomatische Heftigkeit künftig dazu bei, dass sich die Fronten in den Frankfurter Religionsstreitigkeiten , z. B. im Abendmahlstreit weiter verhärten. Dennoch macht die Stadtregierung auch nach Beendigung der Unruhen und dem Sieg der politischen Restauration die Anstellung von Bernhardi und Melander nicht rückgängig. Dagegen verlässt der evangelische Theologe Johannes Agricola, den Luther auf Bitten des Rats zur Neuordnung des Kirchenwesens 1525 nach Frankfurt gesandt hatte, die Stadt nach einem Monat unverrichteter Dinge wieder. Mit der Einstellung der beiden evangelischen Prädikanten ist die Hauptforderung der aufständischen Bürgerschaft zumindest eingeschränkt erfüllt und „die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich neben und in Konkurrenz zur alten Kirche in kleinen Schritten ein evangelisches Kirchenwesen in Frankfurt entwickeln kann.

1525, 25. Juni: Erklärung der Rheingauer Gesandten gegenüber Vertreters des erzbischöflichen Statthalters: Algesheim will sich zusammen mit Lorch, Assmannshausen, Rüdesheim, Eibingen, Geisenheim, Winkel, Eltville, Kiedrich und Hattenheim ergeben. Andere Gemeinden zögern noch.

1525, 26. Juni: Vollmacht von Algesheim zu den Unterwerfungsverhandlungen des Rheingaus: "Uff montagk nach Johannis baptiste" bevollmächtigen der Unterschultheis, das Gericht, der Rat und die ganze Gemeinde die "ersamen unßern mittborgern Hans Rumpellheymern, Peter Dyeczen und Peter Boeßenheimern" sich an den Unterwerfungsverhandlungen zu beteiligen, "das sie in aller sachen betreffen die uffrore gemeyner lantschafft deß Ryngkawes von unßer wegen und in unßerm namen thun, hondelen und laißen sollen."

1525, 27. Juni: Schriftliche Erklärung der Schultheiße, Bürgermeister, Räte und Einwohner des Rheingaus über ihre Unterwerfung; sie bekennen ihre Verfehlungen bekennen und unterwerfen sich den Forderungen der Sieger. Die Bewohner der insgesamt 3.018 Herdstätten im Rheingau, davon 172 in Algesheim, mussten 15.000 Gulden Kriegskosten in zwei Raten zahlen. Dafür wurden von den einzelnen Ämtern „gysell und burgen“ gestellt, von Algesheim Heinchen von Schwabenheim.

1525, 16. Juli: Bericht von Algesheim über die Aufforderung der „uff dem Wecholder“ Versammelten zur Teilnahme an der Empörung des Rheingaus sowie Anzeige der Motive und Vorgehensweise der Algesheimer; sie versuchen, ihre Beteiligung am Aufstand herunter zu spielen: Sie seien erst auf Aufforderung der anderen Gemeinden zum Wacholder gezogen, auf dem schließlich ja auch der Statthalter des Kurfürsten und der Domdechant mit den Vertretern der Landschaft verhandelten. Die Mainzer Kanzlei erlässt in Algesheim "sontags nach Margarethe" einen "Abschied uff die artickel, so die lantschafft des Ringaws mynem g. h. stadthalter zu Eltuil" zu den Unterwerfungsbedingungen übergeben hat.

1527, 1. Januar: Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg erlässt eine neue Landesordnung. Er trennt Gau-Algesheim, "unser stadt", und die "underthan zu Algeßheym" vom Rheingau ab und verspricht, eine "sonder ordenung uffrichten" zu lassen.

1529, 31. August: Im Rahmen einer Eingabe des Rheingaus an den Erzbischof beklagen sich "die von Algeßheim" über die in der Landesverordnung von 1527 vorgenommenen Abtrennung vom Rheingau. Der Erzbischof will die Sache "weither erkhunden" und Maßnahmen treffen, "die allenthalben leidlich und treglich sein sollen." 

1545, 14. November: Ungeachtet der nach der Landesverordnung von 1527 verfügten Abtrennung vom Rheingau wenden sich Schultheiß, Bürgermeister, Räthe und alle Inwohner von Algesheim zusammen mit denen aus den Ämtern Eltville, Oestrich, Geisenheim, Rüdesheim und Lorch mit „Neuen Artikeln der Lantschaft Rheingau“, die sie nach „Aufhebung der dem schwäbischen Bund geleisteten Artikel“ geschworen haben, an den neuerwählten Kurfürsten Sebastian von Heusenstamm./p>

1560: In einem Vertrag "zwuschen dem land des Ringgaues und denen vonn Algeßheym des zu zeit uberfrornen Rheinß beholtzens halben" taucht erstmals der Name "Gaue Algeßheym" auf.

um 1570: In Gau-Algesheim wird Christian Erbach geboren, späterer Hofkapellmeister der Fugger, Haupt der Stadtpfeifer und Domorganist in Augsburg, Komponist zahlreicher Orgelwerke, Motetten und Messen. Im Sommer 1635 stirbt Christian Erbach in Augsburg.

1573: Der Maler und Kartograph Wilhelm Besserer (ca. 1539-1601) schuf im 16. Jh. für das von 1527 bis 1689 in Speyer ansässige Reichskammergericht eine Karte des Rheinlaufs mit Rheinauen zwischen Niederwalluf/Budenheim und Burg Ehrenfels/Bingen. Die "zu den Pfälzer Irrungen gehörige" kolorierte Rheinlaufkarte zeigt von Norden das mit Türmen und Mauern befestigte Algesheim.

1577: Der aus Emmerich stammende Kartograph Gottfried Mascop fertigt im Dienste des Mainzer Fürstbischofs Daniel Brendel von Homburg (1523-1582) in einem Atlas der linksrheinischen Ämter eine Ansicht der befestigten Stadt Gau-Algesheim mit dem Schloss aus der Vogelperspektive sowie der Gemarkung mit einer Beschreibung. Erster Nachweis einer Volksschule ("Schul" im Mascop-Plan).

1590: Eine Dorfbeschreibung von Gau-Algesheim führt 190 bewohnte und unbewohnte Herdstätten (ca. 950 Einwohner), darunter zwei Edelhöfe, zwei Backhäuser, die Badstube, den Pfarrhof und vier Altaristenhäuser auf. Von den früheren städtischen Freiheiten ist nicht mehr viel übrig geblieben. Der Mainzer Erzbischof ist oberster Grundherr und Gerichtsherr, seine Amtsleute kontrollieren die wichtigsten Vorgänge im Ort.

1595, Dezember: Der Amtmann von Olm und Algesheim regelt in einer "Policeyordnung", einer "Kompilation landesherrlicher Policeynormen" (Karl Härter), Fragen des öffentlichen Lebens: Feiertags- und Sonntagsheiligung - christlicher Lebenswandel - Grenzsteine - Zehnt - Maße und Gewichte - Dienstboten - Zölle und Geleit - Amtsführung des Amtmannes - Viehverkauf - Lieferung und Erhebung von Abgaben - Juden - Amtsführung aller Amtsträger - Wächter – Feldschützen - Gerichtssiegel - Schriftstücke an den Erzbischof - Feuerschutz - Kriegsdienst - Metzger, Handwerker und Tagelöhner - Münzen - Wirtshaus - Spiel - Viehhaltung - Krämer - Gemeindeversammlung - Gemarkungsrundgang - Kauf- und Verkauf - Festtage - Verkauf von Kirchen- und Gemeindegut - Eheordnung - Vormundschaften - Kindtaufen und Hochzeiten.

1618: Das Jurisdiktionalbuch verzeichnet die Größe der Gemarkung (3100 ¼ Morgen) und ihre Nutzung, die Einwohnerschaft sowie die Besitzverhältnisse der einzelnen Herdstätten. Der Inhalt des Buches ist ausführlich dargestellt bei Hellmuth Gensicke, Bevölkerung und Besitzverhältnisse der Stadt Gau-Algesheim im Jahre 1618, in: 600 Jahre Stadt Gau-Algesheim, S. 110-122).

1631/1635: Im 30jährigen Krieg erleidet die Stadt schwere Zerstörungen bei der Einnahme durch die Schweden. Besonders betroffen sind Kirche, Rathaus mit der Innenstadt und das Schloss. Nach der Vertreibung des katholischen Pfarrers Laurentius Neuholz wird in der Pfarrkirche für kurze Zeit wieder lutherisch gepredigt.

1633, 6. September: Während der schwedischen Herrschaft versucht Graf Wilhelm Ludwig von Nassau-Saarbrücken vergeblich, die Algesheimer Pfarrei mit dem protestantischen Pfarrer Heinich Mogk aus Mandern in der Grafschaft Waldeck zu besetzen.

1643, 20. Oktober: Der lothringische Hauptmann Charles Darbois de Nanzon wird auf seinem Ritt von Appenheim nach Bingen bei Gau-Algesheim von marodierenden Soldaten überfallen und getötet. Da die Pfarrkirche zerstört ist und unbenutzbar erscheint, wird sein Leichnam in der Johanniskapelle am Johannisturm beigesetzt.

1650: Im Erzbistum Mainz wird die Kirchenverwaltung neu organisiert. Dem Algesheimer Landkapitel unter einem Dekan gehören zwischen 42 und (nach Bildung eines Simmerner und Kreuznacher Landkapitels, 1767) 29 Pfarreien an: Algesheim, Appenheim, Bingen, Bretzenheim, Budenheim, Büdesheim, Dörrebach, Dietersheim, Dromersheim, Frei-Laubersheim, Gau-Bickelheim, Gaulsheim, Gensingen, Groß-Winternheim, Hackenheim, Heddesheim, Heidesheim, Kempten, Münster, Neu-Bamberg, Niederheimbach und Trechtingshausen, Nieder- und Ober-Ingelheim, Oberheimbach, Oberhilbersheim, Ockenheim, Pfaffen-Schwabenheim, Sauer-Schwabenheim, Schöneberg und Schweppenhausen, Sommerloch, Sponsheim und Aspisheim, Spabrücken, Sprendlingen, Stromberg, Volxheim, Waldalgesheim, (Wald)erbach, Waldhilbersheim, Wallhausen, Welgesheim, Winzenheim, Wöllstein und Zotzenheim.

1658, 15. April: Über die im Amt Algesheim zwischen Kurmainz und der Kurpfalz strittigen Geleitstraßen wird eine Karte ("Augenschein") erstellt.

1666: Ab Juni wütet vier Monate lang die Pest und rafft ungefähr zwei Drittel der Bewohner weg. 1667 leben nur noch 207 Einwohner in der Stadt.

1668, 22. April: Dorfbeschreibung: Der kurfürstliche Kellereiverweser sowie Schultheiß und Gericht der Stadt geben eine Beschreibung der rechtlichen, ökonomischen, demografischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Verhältnisse, z. B. über Maße und Gewichte, Steuer und Abgaben, weltliche und geistliche Obrigkeit, Wasser und Weide, Mühlen und Backhäuser, Herdstätten und Einwohner.

1690, 29. April: Christoph Nebel, 1733 – 1769 Weihbischof in Mainz, am 28. April 1690 in Sauer-Schwabenheim geboren, wird in der zuständigen Pfarrkirche zu Gau-Algesheim getauft.

1690, 12. Juni: Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs marschiert französische Kavallerie unter dem Kommando von General Ezéchiel Mélac in die Stadt. Nach schweren Kämpfen angesichts der starken Befestigung von Algesheim brennen die Truppen Algesheim bis auf die Kirche und wenige Häuser nieder. Die Bevölkerung rettet sich in das Schloss. Ein Reliefstein an der Kirche erinnert an den Brand der Stadt.

Unter dem Datum vom 24. Juni 1690 gibt die Pariser "Gazette" einen Bericht aus dem französischen Feldlager in Lambsheim vom 12. Juni 1690 wieder. Er charakterisiert Algesheim ("Aigesheim") als eine kleine Stadt am Eingang der Ebene, die nach Bingen und Kreuznach führt, befestigt mit starken Mauern, fünf dicken Türmen und zwei Gräben ("fortifiée de bonnes murailles, avec cinq grosses tours & environnée de deux fossez").

Die gleiche Charakterisierung findet sich auch im Pariser "Mercure galant" vom Juni 1690 sowie im Artikel "Mélac" der "Chronologie historique-militaire" des Archivars im Kriegsministerium Pinard aus dem Jahre 1761.

1691, 6. Juli: Unter diesem Datum meldet die "Gazette", dass eine Abteilung der französischen Armee, die Marschall Lorges zwischen Maas und Queich befehligt, unter Ezéchiel de Mélac das Gau-Algesheimer Schloss ("Chateau d'Aigesheim") genommen und in der Garnison ungefähr 80 Kriegsgefangene gemacht hat. Unter dem Titel „Algesheim door de Franschen veroverd“ berichtet der Amsterdamer „Europische Mercurius“ vom selben Schauplatz.

1699/1700: Am Straßenborn, wo eine kurmainzische Land- und Zollstraße kurpfälzisches Gebiet berührt, kommt es zu Streitigkeiten, die bis zu bewaffneten Auseinandersetzungen und einer von kurpfälzischen Beamten angeordneten Baumfällaktion am Algesheimer Landgraben führen, ehe schließlich ein Kompromiss gefunden wird.

1701, 1. Januar: Das Gericht von Algesheim legt für Vermögensaufstellungen und Erbteilungen das "Allgesheimer Prothokoll" an. Dem Gericht gehören an: Oberschultheiß Johann Philipp Hettinger, Unterschultheiß Quirin Wallau, die Mitglieder Henrich Fellentzer, Michel Becker, Hans Bernhard Vogel, Hans Wendel Hellmeister, Johannes Diel, Hans Wendel Küchler und als Gerichts- und Ratsschreiber Johann Wilhelm Heeß.

1701: Auf 91 Seiten einer Tatbestandsbeschreibung ("Facti Species") wird festgehalten, "was von einem Jahr her, besonderlich aber im nechst verwichenen Monath Martio jetzt lauffenden 1700.sten Jahrs, auff ohndisputirlichem Chur-Mayntzischen Territorio in denen Algesheimer Land- und Leh-Gräben, auch auff der dabey hingehenden Strassen an dem also genanten Strasserborn vermittel Fäll- und Entführung einer grossen Anzahl Aichen- und andern Bäumen, auch Auff- und Abführungen eines vermeintlichen Geleits und sonsten abermahl von denen Chur-Pfältzischen Beambten, vor Thätlichkeiten verübt worden."

Wohl seit der Mitte des 14. Jahrhunderts wallfahren Pilger aus dem Südosten des Reiches alle sieben Jahre zum Heiligtum in Aachen. Ein Gemarkungsplan von 1701 veranschaulicht – wie schon seine Vorlage, der Gemarkungsplan von Gottfried Mascop von 1577 - die "Hungarische (oder Wiener oder Windische) Wallfahrt" auf ihrem Weg zwischen Algesheim und dem Rhein.

1710, 5. November: Gegen den Willen des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn wählt das Mainzer Domkapitel mit päpstlicher Unterstützung den Domherrn Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg zum Koadjutor und künftigen Nachfolger als Erzbischof und Kurfürst. Franz Ludwig kann das Amt 1729 nach dem Tode von Lothar Franz antreten.

Die lokalen und regionalen Spannungen zwischen Kurmainz und der inzwischen katholisch regierten Kurpfalz, die auch in Streitigkeiten an den gemeinsamen Grenzen zum Ausdruck kamen, werden entschärft und in einem „Chur-Mayntz- und Chur-Pfältzischer Alliantz-Hymnus“ gefeiert.

1719: Errichtung des heutigen Pfarrhauses unter Erzbischof Lothar Franz von Schönborn und Pfarrer Johann Georg Clemens aus Mainz, der von 1699 bis 1760 amtierte. Die Inschrift über dem Torbogen lautet "Lotharius Franciscus Comes A. Schönborn Princeps Elector Posuit."

1721, 16. Dezember: Erzbischof Lothar Franz gebietet den Gläubigen in den einzelnen Landkapiteln der Erzdiözese die immerwährende Anbetung des Hochwürdigsten Altarsakramentes. Die 42 Pfarreien des Algesheimer Landkapitels übernehmen die Anbetung im Zeitraum zwischen dem 11. und 31. Dezember.

1726: Wiederaufbau der Stadt und des Rathauses im barocken Stil unter Erzbischof Lothar Franz von Schönborn auf den Resten des zerstörten gotischen Vorgängerbaus von 1480.

1730, 14. September: Feierliche Konsekration der Laurenzikirche am Fest Kreuzerhöhung durch den Mainzer Weihbischof Caspar Adolph Schnernauer, dem Pfarrer und Kapläne der Region assistieren. Schernauer gehört der nach Bartholomäus Holzhauser "Bartholomiten" genannten Priestergemeinschaft an.

1733-35: Französische Truppen unter Graf Belle-Isle liegen während des polnischen Thronfolgekrieges (1733-35) zwischen Gau-Algesheim und Ingelheim unterhalb des Westerbergs (29. Juni - 28. August 1735).

Kurmainz wird in den Konflikt zwischen den Großmächten Österreich und Frankreich hineingezogen, weil sich Kurfürst Philipp Karl von Eltz bei seiner Wahl 1732 gegen die Gewährung einer Rente von jährlich 100.000 Gulden verpflichtete, bei einer möglichen Königswahl für den Habsburger Franz Stephan von Lothringen zu stimmen.

Das Grabmal des François Louis Charles Alexandre Marquis de Béthune befindet sich in der Kreuzkapelle der katholischen Pfarrkirche.

1769, 23. Dezember: Der Mainzer Erzbischof Emmerich Joseph schafft im Zuge einer "religionspolizeylichen Regulierung" (Karl Härter) den Laurentiustag (10. August) als allgemeinen kirchlichen Feiertag ab; von 1770 muss die Wallfahrt auf den dem 10. August folgenden Sonntag gelegt werden.

Später formuliert der Münchner Priester und Domkapitular, Publizist und Historiker Lorenz von Westenrieder (1748-1829) seine Auffassung der Aufklärung so: „Es heißt wegräumen die mancherlei Hüllen und Decken vor den Augen, Platz machen dem Licht in Verstand und Herz, dass es jenen erleuchte, dieser erwärme, und eintreten in die Gebiete der Wahrheit und der Ordnung, wo die Bestimmung des Menschen, die wahre Glückseligkeit thront.“

1782: Im Zuge einer großen Verwaltungsstukturreform wird Algesheim wieder vom Amt Olm getrennt und als Amtskellerei mit den Orten Büdesheim, Dietersheim, Dromersheim, Gau-Algesheim, Gau-Bickelheim, Gaulsheim, Laurenziberg, Ockenheim und Sarmsheim direkt dem Mainzer Viztumamt unterstellt. Nach 1525 war das Amt Algesheim mit dem Amt Olm vereinigt worden, weil sich die Algesheimer an der Rheingauer Erhebung beteiligt hatten.

1787/89: Auseinandersetzungen um das neue Mainzer Gesangbuch und eine Muttergottesstatue im Heiligenhäuschen an der Heupforte. Der Streit um das Gesangbuch löst 1787/89 in Teilen der Erzdiözese, vor allem im Algesheimer Landkapitel und im Rheingau, Empörung und Widerstand aus, so dass der Erzbischof sogar den Einsatz der bewaffneten Macht erwägt. Bereits im Sommer 1787 hat die Mainzer Regierung ein Militärkommando mit einem Major, 300 Soldaten, 7 berittenen Husaren und 2 Kanonen nach Rüdesheim in Marsch gesetzt.

1788: Der aus dem kurmainzischen Walldürn stammende Professor für Dogmatik an der bischöflichen Universität Mainz Felix Anton Blau schreibt unter dem Titel "Uiber die Bilderverehrung mit Rücksicht auf das angebliche neue Algesheimer Wunderbild" ein 52-seitiges Gutachten zur Verehrung einer Marienstatue im Heiligenhäuschen am Heuertor.

1790: Die früheste Erwähnung einer Synagoge findet sich im Visitationsprotokoll der katholischen Pfarrei. Es leben vier jüdische Familien in Gau-Algesheim, die ihre Wohnung als Synagoge nutzen.

1792, 19. Oktober: Einmarsch französischer Revolutionstruppen zwei Tage vor der Einnahme von Mainz durch den Generalleutnant der französischen Revolutionsarmee Adam-Philippe de Custine. Viele Bürger bekennen sich zu den Idealen der Französischen Revolution.

1793, 30. März: Im "Décret de réunion de Mayence à la République française" bestimmt der französische Nationalkonvent, dass die Region von Mainz bis Landstuhl, darunter namentlich genannt Algesheim zur "partie integrante de la République" wird.

1793, 18. April: Im Verlauf der Einkesselung von Mainz durch die Preußen (14. April) wird das Amt Algesheim durch kurfürstlichen Befehl aufgefordert, das nächstliegende preußische Kommando um die Arretierung der Klubisten Laurenz Saala, Quirin Ewen, Wilhelm und Heinrich Kaiser zu ersuchen. Laurenz Saala sowie Wilhelm und Heinrich Kaiser werden am 30. April in die Brömserburg nach Rüdesheim gebracht. Qurin Ewen, der zunächst nach Miltenberg fliehen kann, stellt sich Anfang Juli den Behörden und wird ebenfalls in der Brömserburg gefangen gesetzt.

1793, 19. Juli: Seit Sommer 1794 ist Frankreich militärisch wieder in der Offensive und kann bald das gesamte linke Rheinufer besetzen - mit Ausnahme von Mainz; die für das ganze Deutsche Reich wichtige Festung wird - nun mit ausreichender Garnison - von Österreichern unter General Clerfait gehalten. Schon jetzt ist Mainz keine Residenz mehr, sondern nur noch eine "große Kaserne", von Frankreich bedroht. Seit Herbst 1794 errichten die Franzosen in weitem Bogen um die Stadt links und rechts des Rheins eine riesige Gegenfestung aus Erdwällen und Unterständen, die "Mainzer Linien" von Mombach und Budenheim im Norden bis Laubenheim und Hechtsheim im Süden sowie Marienborn, Drais und Finthen im Westen. Ihre monatelange Blockade durchbricht Clerfait mit mehreren Überraschungs- und Scheinangriffen am 29. 10. 1795, sodass die französische Armee de Mayence panikartig nach Westen flieht.

Der in Gau-Algesheim geborene Maler Johann Jakob Hauer (1751-1829) zeichnet im Pariser Gefängnis Conciergerie Marie Charlotte Corday d'Armont (1768-1793), die am 13. Juli 1793 den Präsidenten des Jakobinerclubs Jean Paul Marat (1743-93) getötet hatte und nach der Verurteilung durch das Revolutionstribunal auf ihre Hinrichtung wartete.

1795, 14. - 28. Juni: Im Zuge des 1. Koalitionskrieges errichtet das 12. Regiment der "Chasseurs à cheval" mit vier Schwadronen ein Feldlager in der Umgebung von Gau-Algesheim. Der Stab wird in der Stadt einquartiert. Der Sous-Lieutenant und spätere Chef d'Escadrons Jean Pierre Galy Montaglas aus dem Canton Tarascon im Département Ariège schildert in seinen Memoiren "Historique du 12e chasseurs à cheval, depuis le 29 avril 1792 jusqu'au traité de Lunéville (9 février 1801)" die Umstände des "malheureux bivouac" und einen Vorfall, der ihm schließlich drei Tage Gefängnis in Bingen einbringt.

1797, 17. Oktober: Mit dem Frieden von Campo Formio gehört das bisher kurmainzische Algesheim zum Kanton Ober-Ingelheim im Département Mont Tonnerre (Donnersberg) und zählt wie das gesamte linke Rheinufer "von der Grenze der Schweiz unterhalb von Basel bis zum Zusammenfluss der Nette oberhalb von Andernach" zur französischen Republ


Brilmayers Stadtgeschichte, Kapitel 3: Geschichte Algesheims von seiner Lostrennung vom Rheingau, 1527, bis zur Besitzergreifung durch die Franzosen im Jahre 1792.

Ein trauriges Blatt in der deutschen Geschichte bildet das Jahr 1552. Auf die religiöse Entzweiung war die politische gefolgt; nicht genug, das deutsche Fürsten sich unter einander bekriegten und gegen den Kaiser zu Felde zogen, sie riefen noch fremde, den König von Frankreich, zu Hülfe und überlieferten ihm als Lohn für geleistete Dienste zu ihrer ewigen Schmach und Schande deutsche Lande und uralt deutsche Städte.

An der Spitze dieser Verräter am deutschen Vaterlande stand der Kurfürst Moritz von Sachsen, und als treuen Mitgehülfen hatte er zur Seite den Markgrafen Albrecht von Brandenburg. Nur mit vieler Mühe war endlich durch den Vertrag von Passau ein einstweiliger Friede zu stande gekommen, „jedoch wollte Markgraf Albrecht sich zu keiner Hinlegung der Waffen verstehen, sondern verwüstete seinem alten Brauche nach alle am Rhein gelegenen Lande, sonderlich aber die der geistlichen Kurfürsten mit Schwert, Feuer und Blutvergießen auf das allergräulichste und machte viel tausend unschuldige Leute zu Bettlern.“ Sengend, brennend und mordend durchzog er das Mainzer Obererzstift, alle Städte, Dörfer und Höfe einäschernd, die nicht alles hergaben, was er verlangte. Die höchste Schandsäule seines Namens setzte er sich aber in Mainz. Nachdem er die Bürger gezwungen, dem König von Frankreich zu huldigen, verlangte er von denselben zwölftausend, von der Geistlichkeit hunderttausend Goldgulden. Da die Summe nicht sogleich aufgebracht werden konnte, so befahl er die Kirchen auszuplündern und steckte das kurfürstliche Residenzschloß, die St. Martinsburg, die herrlichen Kirchen St. Alban, St. Viktor und Heiligkreuz, die Carthause und alle Häuser der Stiftsherren in Brand. Sämtliche mit Wein und Getreide beladenen Schiffe wurden verbrannt. Es war solch ein schrecklich Feuer in der Stadt und solch Wüten der mordbrennerischen Söldlinge gegen Bürger, Frauen und Kinder, dass viele vor Schrecken elendigen Todes starben, andere in Tobsucht verfielen. „Das sei,“ rühmte sich der Wüterich, „ein recht fürstlicher Mordbrand in dem verdammten Pfaffennest.“

Von Mainz zog er den Rhein hinunter, überall Schrecken verbreitend. Auch Algesheim musste seine Raubgier fühlen und dem Könige von Frankreich huldigen.

Im Jahre 1552 gehörte Algesheim zu jenen 31 Ortschaften in der Umgebung von Bingen, welche durch ihre Gesandten vor Amtmann und Rat der Stadt Bingen erscheinen und ihr Gelübde leisten, der Stadt mit Kriegshülfe beizustehen, wofern sie in Nöten von Richtern, Bürgermeister und Rat gefordert würden. Zugleich übernimmt Algesheim die Verpflichtung die elfte Wacht, den Rochenturm, zu bauen und mit vier Mann zu bewachen.

Schrecklich war die Zeit des dreißigjährigen Krieges von 1618 – 1648. Unter dem Deckmantel der Religion überzogen fremde Völker unser Vaterland, mordeten und plünderten und machten aus den herrlichsten Provinzen auf lange Jahre hinaus schreckliche Einöden. Besonders waren es in unserer Gegend die Schweden, welche in der furchtbarsten Weise hausten, so dass ihr Name noch heute Abscheu und Schrecken genannt wird. Im Dezember 1631 eroberten sie Mainz und bald darauf Bingen. Eine furchtbare Brandschatzung ward der Geistlichkeit, den Bürgern und den Juden noch besonders auferlegt. Denen, die nicht zahlen konnten, wurden Häuser, Gärten, Stallungen, Scheuern verwüstet, das Holz verkauft oder verbrannt. Dazu gesellten sich Seuchen und eine furchtbare Hungersnot. Mit Wurzeln, Gras und Baumblättern stillten die Menschen vielfach ihren Hunger, gefallene Tiere wurden als Leckerbissen verspeist.

Das Rathaus zu Algesheim wurde damals niedergebrannt und erst nach 100 Jahren wieder aufgebaut; auch die Kirche wurde teilweise verbrannt. Jahrelang hausten die Schweden bei uns. Endlich, im Januar 1636, zogen sie von Mainz und Bingen wieder ab. Aber der Friede war damit noch nicht hergestellt, vielmehr wütete der Krieg in seiner ganzen Schrecklichkeit weiter. Deutsche Truppen mit den Franzosen vereint brandschatzten in den folgenden Jahren die Gegend. Wie groß das Elend und die Armut damals in Algesheim war, geht daraus hervor, das im März 1643 die Schöffen mit Erlaubnis des Pfarrers einen Kelch und einen kostbaren Rosenkranz, welche der Kirche gehörten, verkauften, um die Kontribution, welche der Gemeinde auferlegt worden war, bezahlen zu können.

Auch Mangel an Munition war eingetreten, so dass die Gemeinde am 5. Oktober 1643 Blei von der verbrannten Kirche nehmen musste, um daraus für die Bürger Kugeln zu gießen. Denn jeder musste auf der Hut sein, da er nicht wusste, ob er nicht jeden Augenblick überfallen und ermordet würde.

So wurde am 20. Oktober 1643 Charles Darbois de Nanzon, ein lothringischer Hauptmann, welcher allein von Appenheim nach Bingen reiten wollte, auf dem Wege von Soldaten ergriffen und unbarmherzig niedergemacht.

Erst im Jahre 1648 ward der sehnsüchtig erwartete Friede geschlossen, nachdem der Krieg fast ohne Unterbrechung dreißig Jahre lang gewütet hatte.

Neues Unglück kam über die Stadt im Jahre 1666. Schon im Jahre vorher zeigte sich in mehreren Orten des Rheinstroms, namentlich in Köln, eine furchtbare Krankheit, die Pest oder der schwarze Tod. Tausende von Menschen wurden dahingerafft. Langsam zog sie den Rhein herauf. Schon Anfang Januar 1666 forderte sie in Münster bei Bingen ihre ersten Opfer. Bald darauf zeigte sie sich auch schon in Aspisheim und zwar mit großer Heftigkeit, so daß am 10. April der Binger Stadtrat befahl, „dass wegen zu Münster und Aspeßheim häufig crassirendter Contagion keiner dasebstige Underthan zur allhiesigen Stadtpfortten solle eingelasen werden.“

Trotz dieser Vorsichtsmaßregeln trat die schreckliche Krankheit schon im April in Bingen auf. Das Sterben war furchtbar. Nicht lange darnach zeigte sie sich auch in Dromersheim und Ockenheim, deren Pfarrer von der Seuche hingerafft wurden; der Pfarrer von Dromersheim, Johannes Ubach, starb am 22. Juni, der Pfarrer von Ockenheim, Theodor Leuchtemacher, am 12. August.

Auch in Algesheim hielt der unheimliche Gast seinen Einzug. Am 21. Juli starb der Pfarrer Johann Wendelin Reichartz an der Krankheit als Opfer seines Berufes. Sein Nachfolger, Fr. Bernhard Vietoris, schreibt in den Sterberegistern: „Am 24. Juli betrat ich diese Stadt, während die Pest in schrecklicher Weise wütete. Gleich am ersten Tage hatte ich 8, am zweiten 9, am dritten 10, am vierten 12, am fünften 13, am sechsten 14, am siebten wieder 5 zu begraben.“ Und an einer anderen Stelle schreibt er: „Wegen der überaus großen Sterblichkeit, und weil ich auch Ockenheim und Dromersheim zu versehen hatte, konnte ich die Namen der einzelnen Gestorbenen nicht aufzeichnen, durch meinen Vorgänger wurden ungefähr 100, durch mich aber in Algesheim im Zeitraum vom 4 Monaten ungefähr 400 begraben.“ Welch eine Sterblichkeit bei einer Einwohnerzahl von noch nicht 1000 Seelen! Gegen Ende des Jahres begann die Krankheit nachzulassen, aber erst im folgenden hörte sie vollständig auf.

Doch kaum war dieser Würgeengel vorübergegangen, da brach schon wieder neues Unheil über unsere Gegend herein. Kurfürst Ludwig von der Pfalz erlaubte sich die här[19/20]testen Grausamkeiten gegen die benachbarten, namentlich geistlichen Fürsten. Alle Vermittlungsversuche halfen nichts. Die Waffen mussten entscheiden. Wieder durchstreiften Freund und Feind unsere Fluren, überall Not und Elend zurücklassend. Am 26. September kam es zwischen Ockenheim, Dromersheim und Büdesheim zur Schlacht. Zwischen 6 und 7000 Pfälzer fielen und wurden in den nächsten Tagen daselbst begraben. Aber noch nach Wochen fand man die in Verwesung übergegangenen Leichen in den Weinbergen. Erst im folgenden Jahre kam der Friede zustande.

Doch bald wütete von neuem die Kriegsfurie. Mordend, plündernd und brennend zogen in den Jahren 1688-90 die Franzosen in unseren Gauen umher. Unbarmherzig brannten sie Städte, Dörfer und Schlösser nieder. Noch jetzt sehen wir gar viele Zeugen um uns her, welche die furchtbare Verwüstung von damals zurückgelassen hat. Zu Anfang des Monats Juni 1690 griffen diese mordbrennerischen Horden Algesheim an, trieben die darin gelegene schwache Besatzung und die Bürger in die Burg, legten aller Orten Feuer an und zogen sich dann zurück, die Stadt ihrem Schicksal überlassend, weil sie Hülfe aus Mainz fürchteten und die Burg nicht so geschwind zu überwältigen hofften. Nur die Pfarrkirche und einige wenige Häuser blieben vom Brand verschont.

Groß war die Not der Einwohner. Der Kurfürst Lothar Franz, der „mit ihrem Unglück ein billiges Mitleiden trug“, befreite die Stadt ein Jahr lang von jeder Schatzung und bewilligte Zollbefreiung auf das zum Bauen nötige Holz. Aber die Stadt lag immer noch in Ruinen. Mit dem Wiederaufbau wollte es nur langsam vorwärts gehen, denn die Bürger waren teils ausgewandert, teils fehlten ihnen vielfach die Mittel, ihre Wohnungen wieder herzustellen. Da gewährte der Kurfürst von neuem allen denjenigen, welche ihre Wohnungen wieder aufbauen würden, Befreiung von der Schatzung und ließ außerdem dafür sorgen, „dass den Bürgern das bedürftige Holzwerk, besonders die Böden, um billigen preis undt etwas unter dem Gemeinen Kauf geliffert werde.“

Im polnischen Thronfolgestreit (1733-35) stellte sich Kurfürst Philipp Karl von Elz (1732-1743) auf die Seite des Kaisers gegen Frankreich. Alsbald erschienen die Franzosen wieder im Erzstift. Schrecken verbreitete sich allenthalben, denn sie waren noch in zu gutem Andenken. Bei Algesheim schlugen sie ihr Lager auf und operierten von hier aus gegen Bingen, das sie 1734 eroberten und es mit den dazugehörigen Ortschaften um 39 000 Gulden brandschatzten. Damals starb in Algesheim Marquis de Bethune, prince de belle isle, Rittmeister im französischen Heere (in exercitu Gallico turmae equitum praefectus). Er wurde in der Kirche begraben. Was die Bewohner während dieser Zeit gelitten, ist nicht aufgezeichnet, lässt sich aber leicht erdenken.