Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

Diktatur und Krieg, 1933-1945

1933, 5. März

Bei den Reichstagswahlen wählen in Gau-Algesheim 938 Wahlberechtigte, d.h. 46,8% (Kreis Bingen: 35,6 %) das Zentrum, 583 Wb., d.h. 29,0% (37,9 %) NSDAP (inkl. Kampfbund Schwarz-Weiß-Rot, 51 St., 2,5 %), 326 Wb., d.h. 16,3% (12,4 %) SPD und 138 Wb., d.h. 6,9% (2,3 %) KPD. Die NSDAP steigert ihren Anteil gegenüber der Reichstagswahl vom November 1932 um 235 Stimmen, d.h. 9,8 % vornehmlich aus dem Reservoir der bisherigen Nicht-Wähler. Die Zahl der gültigen Stimmen war mit 2003 St. deutlich größer als bei der vorigen Wahl, bei der sie 1774 St. betrug. Der 7. Landtag im Volksstaat Hessen wird aufgrund des „Vorläufigen Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ analog des Reichstagswahlergebnisses neu gebildet und bringt der NSDAP die absolute Mehrheit der Stimmen und Sitze.

1933, 19. April

Am Vortag von Hitlers 44. Geburtstag verpflichtet der Sturmbannführer und Volksschullehrer Richard Walter aus Stadecken 80 neue SA-Männer auf dem Gau-Algesheimer Marktplatz.

1933, 20. April

Bei einer Feier anlässlich des 44. Geburtstages von Adolf Hitler wird auf dem alten Friedhof (heute Eickemeyer-Park) eine "Hitler-Eiche" eingeweiht. Aus Bingen, Aspisheim und Hilbersheim nimmt die SA, aus Ingelheim und Gau-Algesheim der Stahlhelm an der Feier teil. Der Ober-Hilbersheimer Volksschullehrer und Ortsgruppenleiter Johann Gustav Stoll bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, dass mit dieser Feier die "Schmach des Separatismus" in Gau-Algesheim getilgt sei. Stoll übergibt die Leitung der NSDAP-Ortsgruppe an den 31-jährigen Landwirt und Parteiredner Erich Best vom Laurenziberg. Die Ingelheimer Zeitung meldet die Umbildung und Gleichschaltung des Gau-Algesheimer Stadtrates, dem die folgenden Mitglieder angehören. NSDAP, DVP, Kampfbund Schwarz-Weiß-Rot: Georg Kraus, Eduard Ebner; Heinrich Wilhelm Voos, Johann Heinrich Hessel; Zentrum: Kaspar Hassemer II., Georg Hassemer, Josef Hang, Johann Baptist Molitor, Johann Georg Bischel, Eduard Burkart; SPD: Georg Heinrich, Karl Dickenscheid.

1933, 25. April

Nach einem Bericht der Rhein- und Nahe-Zeitung gehören dem Binger Kreistag aus Gau-Algesheim Heinrich Josef Hassemer ("Römer-Heinrich") für das Zentrum und Karl Domdey für die SPD an. Nach der Selbstauflösung des Zentrums und dem Verbot der SPD verlieren beide ihr Mandat.

1933, 28. April

Die "Ingelheimer Zeitung" meldet, bei dem Weinhändler und Inhaber der "Rheinischen Kronen-Sektkellerei" Heinrich Schweickert in Gau-Algesheim sei eine "Separatistenliste" gefunden worden. Einerseits bezeichnet Heinrich Schweickert die Liste als "Abschrift von einer Abschrift" der "Rheinischen Volksvereinigung, Ortsgruppe Gau-Algesheim", andererseits stehen auf der Liste mehr als 80 Gau-Algesheimer, darunter alle älteren Zentrumsmitglieder, die einige Wochen später ins KZ Osthofen eingeliefert werden. Von der Existenz einer Ortsgruppe der "Rheinischen Bewegung" in Gau-Algesheim, zu der auch Bürger aus Freiweinheim, Nieder-Ingelheim, Ockenheim und Sporkenheim gehören, wusste das Reichsinnenministerium bereits im Jahre 1922.

1933, 28. April

Die Binger Rhein- und Nahe-Zeitung berichtet, dass der NSDAP-Ortsgruppenleiter Otto Doré zahlreiche Handwerker, Gewerbetreibende und Kaufleute zu einer Kundgebung des „Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand“ begrüßen konnte. Dabei führte er zu den Verhältnissen in der Stadt aus: „Man habe bisher eine Müdigkeit und Trägheit in Handwerk und Gewerbe feststellen können. Heute gelte es, sich zusammenzuschließen. Nur dadurch werde der Mittelstand wieder stark und lebensfähig. Man dürfe in seinem Kollegen nicht den Feind sondern den Bruder sehen. Der Kampf müsse gegen die Schädlinge des Handwerks und des Gewerbes gehen. Dan erst werde sich der Mittelstand seinen Lebensraum in der Volksgemeinschaft erringen.“

1933, 1. Mai

Feier am Tag der nationalen Arbeit mit Festzug (Organisation: Otto Doré); anschließend Kundgebung auf dem Marktplatz mit den Rednern Erich Best und Johann Gustav Stoll.

1933, 8. Mai

Unter Überschrift "Säuberung in Gau-Algesheim" teilt die Binger Rhein- und Nahe-Zeitung mit: "Durch Erlaß der Hessischen Regierung wurden Bürgermeister Trapp und Adjunkt Domdey ihrer Aemter enthoben. Kommissarischer Bürgermeister wurde Dr. Diehl, Heidesheim und Adjunkt Erich Best, Laurenziberg."

1933, 13. Mai

Der Kolonnenführer des Gau-Algesheimer Roten Kreuzes teilt dem zuständigen Provinzial-Inspekteur Dr. med. Schlink in Alzey mit, dass der seit 1914 amtierende Kolonnenführer Heinrich Kraus sein Amt niedergelegt hat. Zusammen mit dem langjährigen Kassierer Anton Hollenbach, der gleichfalls ausscheidet, wird Heinrich Kraus sechs Wochen später ins KZ Osthofen deportiert.

1933, 18. Mai

Für den seines Amtes enthobenen hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Anton Trapp wird der aus Heidesheim stammende Nationalsozialist Dr. Wilhelm Diehl als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt. Weiter beschließt der Stadtrat - auf Antrag des Beigeordneten Erich Best im Auftrag der NSDAP - einstimmig, die folgenden Straßen umzubenennen: Die Langgasse wird nach dem amtierenden Reichspräsidenten „Hindenburg-Straße“, die Querbein „Adolf-Hitler-Straße“, die Neugasse „Werner-Best-Straße“, Kegelplatz und Kegelstraße „Horst-Wessel-Platz“ bzw. „Horst-Wessel-Straße“ genannt. Der Gauleiter des neuen Gaus Hessen-Nassau und Reichsstatthalter des Volksstaates Hessen Jakob Sprenger wird zum Ehrenbürger der Stadt Gau-Algesheim ernannt.

1933, Mai/Juni

Vereine und Innungen in Gau-Algesheim werden z. T. gegen hinhaltenden Widerstand gleichgeschaltet. Das Arbeiter-Männer-Quartett Sängerlust wird vom 29. Juni bis 5. Oktober 1933 verboten, das Vermögen vorübergehend beschlagnahmt und erst nach Ablegung der Bezeichnung „Arbeiter“ im Vereinsnamen wieder zugelassen. Von seinem jüdischen Chorleiter Fritz Jäger muss sich der Verein trennen.

1933, 27. Mai

Die Ingelheimer Zeitung berichtet von der Gleichschaltung des Turnvereins 1880 Gau-Algesheim.

1933, 8. Juni

Die Rhein- und Nahe-Zeitung meldet die Gründung einer Reiterabteilung des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, Ortsgruppe Gau-Algesheim. Interessierte können sich bei Georg Presser melden.

1933, 16. Juni

Die Freiwillige Feuerwehr wird unter heftigen Debatten und Auseinandersetzungen nach den Vorstellungen des Beigeordneten Erich Best „gleichgeschaltet“. Erich Best versucht die schwelenden Konflikte mit der Drohung einzudämmen: „Austritte aus der Wehr aus diesem Grunde werden nach wie vor als Sabotage betrachtet und demgemäß geahndet.“ Der bisherige Kommandant Wilhelm Hattemer legt sein Amt nieder; er gehört zu den Männern, die wenige Tage später ins KZ Osthofen eingeliefert werden.

1933, 19. Juni

Im Rahmen der „Gleichschaltung“ der Vereine wählt der Radfahrerverein 1898 in einer "leider schwach besuchten Versammlung" (Protokoll) seinen bisherigen Vorsitzenden Wilhelm Hassemer „mit vollem Vertrauen zu seinem ersten Führer“.

1933, 20. Juni

Das Nachrichtenblatt droht gegenüber den politischen Gegnern: „Diesen Maulwürfen (…) sei gesagt, daß uns auch noch schärfere Mittel als Osthofen zur Verfügung stehen.“

1933, 30. Juni

In der Nacht werden vorher markierte Häuser angegriffen, sieben Gau-Algesheimer Männer in „Schutzhaft“ genommen und mit einem LKW, der ein Transparent mit der Aufschrift „Separatisten und Vaterlandsverräter“ ins Konzentrationslager Osthofen verschleppt. Im Laufe der folgenden Wochentrifft die Deportation überwiegend Mitglieder des Zentrums (Wilhelm Günther, Martin Hassemer, Philipp Hassemer, Wilhelm Hattemer, Anton Hollenbach, Matthias Kaiser, Heinrich Kraus, Wilhelm Ockstadt, Heinrich Schweickert, Franz Josef Völker, Martin Weiner) und zwei Sozialdemokraten (Karl Hofstetter und Wilhelm Schühle).

1933, 1. Juli

Im Zuge einer reichsweiten Aktion gegen katholische Organisationen durchsucht die Gau-Algesheimer Polizei Akten und Unterlagen der "Marianischen Jünglingssodalität", beschlagnahmt vorübergehend das gesamte Vereinsvermögen und zieht das Kassenbuch sowie das Sparkassenbuch ein.

1933, 3. Juli

Nach einer Veröffentlichung im Friedberger "Oberhessischen Anzeiger" wird mit Wirkung vom 1. Juli 1933 Oberstudiendirektor Dr. Karl Weiner, Leiter der Staatlichen Studienanstalt für Mädchen in Offenbach, aus dem Hessischen Staatsdienst entlassen. Weiner stammt aus Gau-Algesheim, legte das Abitur 1906 am Großherzoglich Hessischen Gymnasium Bensheim ab und promovierte 1916 an der Hessischen Landesuniversität Gießen mit einer Dissertation zum Thema "Die Verwendung des Parallelismus als Kunstmittel im englischen Drama vor Shakespeare". Auf den umfangreichen Listen der Beamten, die entlassen wurden, weil sie "nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten", befinden sich auch der jüdische Lehrer Ludwig Langstädter und der Studienrat Karl Balser aus Ingelheim.

1933, Juli

Dem Notar und Rechtsanwalt Otto Hirschbrandt wird als Jude die Zulassung zur Ausübung seines Berufes entzogen. 1934 zieht er mit Frau und Tochter nach Wiesbaden. Die gesamte Famlie wird im Mai 1942 nach Ostpolen deportiert und im Vernichtungslager Sobibór ermordet.

1933, 15. August

Der Beigeordnete und NSDAP-Ortsgruppenleiter Erich Best wird zum Bürgermeister der Stadt Gau-Algesheim bestellt.

1933, 1. Oktober

Der gebürtige Gau-Algesheimer Heinrich Vogt (1890-1968), seit 1929 Ordinarius für Astronomie, Direktor der Sternwarte und Vertrauensmann der NSDAP-Kreisleitung an der Universität Jena, übernimmt den Lehrstuhl für Astronomie an der Universität Heidelberg und die Leitung der Landessternwarte auf dem Königstuhl.

1933, 4. Oktober

Die Ingelheimer Zeitung berichtet, dass die anlässlich des Erntedankfestes übertragenen Reden von Adolf Hitler und Reichsbauernführer Walther Darré in Gau-Algesheim massiv gestört wurden.

1934, 22. Januar

Die 1887 gegründete „Casino-Gesellschaft“, der die besseren „liberalen“ Kreise, darunter zahlreiche jüdische Gau-Algesheimer, angehören, wird aufgelöst.

1934, 1. Mai

Beim Umzug am 1. Mai tritt unter der Leitung von Bernhard Kaiser der Spielmannszug der DJK zum letzten Mal auf. Nach dem Verbot der DJK werden dessen Mitglieder in die Katholische Kirchenmusik aufgenommen.

1934, 22. Juni

Trotz der von der Verbandsführung angeordneten "Militarisierung" (Führerprinzip, Aufnahme von Disziplinen wie Geländeübungen, Schießen oder Handgratenwerfen) des katholischen Sportverbandes "Deutsche Jugendkraft" (DJK) wird durch eine Polizeiverordnung des Gaus Hessen-Nassau den gesellschaftlichen Aktivitäten und sportlichen Betätigungen der Gau-Algesheimer DJK ein Ende gesetzt.

1935, 20.-22. Juli

75-jähriges Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr.

1936

In einem geheimen Bericht für das Bischöfliche Ordinariat in Mainz beschreibt der Ortspfarrer Dekan Joseph Rudolf die staatlichen Repressionen seit 1933, zugleich aber auch sein Bemühen, die Handlungsfähigkeit der katholischen Gemeinde und ihrer Verbände zu erhalten.

1937, 27. Juli

Rosa Nathan geb. Marx aus der Weingasse 25 wird als letzte jüdische Gau-Algesheimerin auf dem Judenfriedhof beerdigt.

1937, 11. Oktober

Die Binger "Rhein- und Nahe-Zeitung" berichtet unter voller Nennung des Namens und der Adresse, dass ein Gau-Algesheimer an den Pranger gestellt wurde. Am Rathaus war eine Tafel mit folgender Aufschrift angebracht: "Volksschädling übelster Sorte! Bei Felddiebstählen wurde aufgegriffen: F. K., NN-Straße 15."

1937, 18. Oktober

Unter diesem Datum meldet die Rhein- und Nahe-Zeitung, dass "auf dem Anwesen der Wwe. Franz Josef Reitz mit dem Bau eines Lichtspieltheaters begonnen wurde" und sich "die Ortsbehörde mit dem Gedanken" trägt, "im Brühl auf gemeindeeigenem Gelände eine Schwimmbadeanstalt sowie Sportplatz und Schießstand zu errichten."

1938

Nach dem Einwohnerbuch für den Kreis Alzey und Kreis Bingen Land von 1938 bilden neben Bürgermeister Erich Best und den Beigeordneten Johann Friedrich Kornely und Wilhelm Philipp Huff die Ratsherren Otto Doré, Franz Hang, Josef Georg Martin Kaiser, Wendelin Kölsch, Dr. Hans Matthes, Franz Sommer und Karl Voos den Stadtrat.

1938, 5. Februar

Das neue Gau-Algesheimer Kino wird mit dem Film "Unternehmen Michael", einem Propagandafilm, der an der Westfront 1918 spielt, eröffnet.

1938, 1. April

Das Nachrichtenblatt meldet: "Gau-Algesheim konnte den Führer grüßen. Gestern nachmittag zwischen 3 - 4 Uhr passierte der Führer im Sonderzug, von Köln kommend, unsere Station. An allen Uebergängen hatten die Volksgenossen in großer Zahl Aufstellung genommen und am Winzerhaus begrüßte die Kirchenmusik den Führer. Mit geringer Geschwindigkeit passierte der Zug die Station und man konnte den Führer gut sehen, der die lebhafte Huldigung dankend entgegennahm. Reichen Flaggenschmuck hatte Gau-Alges heim zur Begrüßung des Führers angelegt."

1938, 4. Oktober

Die Ingelheimer Zeitung meldet, dass "wegen staatsfeindlicher Äußerungen" der Gau-Algesheimer Bauer Josef Karl Diehl festgenommen und in das Amtsgerichtsgefängnis Ober-Ingelheim eingeliefert“ wurde. „Als eingeschriebenes Mitglied der damaligen rheinischen Volkbewegung“ habe „er den aktiven separatistischen Kreisen“ angehört.

1938, 21. Oktober

Nach einer Meldung der Binger "Rhein- und Nahe-Zeitung" wurde ein auf dem Laurenziberg beschäftigter Melker "wegen staatsfeindlicher Äußerungen" festgenommen und dem Amtsgericht Ober-Ingelheim zugeführt.

1938, 23. Oktober

Festveranstaltung im Saalbau Kühn zum 50-jährigen Stiftungsfest des Katholischen Kirchenmusikvereins.

1938, 7. Dezember

Die hessische Landesregierung gibt eine Verfügung von Heinrich Himmler (RFSSuChdDtPol) bekannt, die im Ergebnis der Freiwilligen Feuerwehr das Tragen des „Himmels“ bei sakramentalischen Prozessionen verbietet.

1938, 9. Dezember

Elisabeth "Betti" Mayer geb. Nathan verlässt als letzte Jüdin Gau-Algesheim, nachdem sie ihr Elternhaus in der Weingasse 25 unter Wert hatte verkaufen müssen, kehrt nach Frankfurt zurück, wird im November 1941 von dort ins Baltikum deportiert und in Riga umgebracht. Ihr Gau-Algesheimer Nachbar Josef Moritz, der sie auf dem Weg von der Wohnung zum Bahnhof unterstützt, wird vom amtlichen "Nachrichtenblatt" mit der Bemerkung diffamiert:"Wer Juden bedauert und Freundschaft mit ihnen hält, ist ein Lump und Verräter!"

1939, 7. Januar

Nach dem "Eintopfsonntag" sammelt die NS-Volkswohlfahrt in Gau-Algesheim 233,50 Mark.

1939, 10. Februar

Als Vorsitzender der Kreisabteilung Bingen des Deutschen Gemeindetages lädt Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Erich Best die Bürgermeister des Kreises zu einer Arbeitstagung ins Winzerhaus ein.

1939, 7. Mai

Unter der Leitung des Kreiskriegerführers Georg Presser findet der "Kreiskriegertag" in Gau-Algesheim mit mehr als 1.000 zum Appell angetretenen Mitgliedern statt.

1939, 21. Oktober

"Ein Transport polnischer Gefangener, die in der Landwirtschaft Beschäftigung finden" sollen, ist in Gau-Algesheim eingetroffen. Die 20 Gefangenen werden auf den Laurenziberg und die Nachbargemeinden Appenheim und Ober-Hilbersheim verteilt.

1945, 2. Februar

Richard Möbius, dessen Kinder Ernst und Emmi 1943 bzw. 1944 in der "Heil- und Pflege-Anstalt" auf dem Eichberg im Rheingau ermordet wurden, stirbt im Lager Ohrdruf bei Gotha, einem Außenlager des KZ Buchenwald. Richard Möbius und seine Kinder vom Laurenziberg stehen auch für die anderen Gau-Algesheimer, die zwangsweise sterilisiert, im Zuge von Euthanasie-Aktionen oder durch die NS-Justiz ermordet wurden.

1945, 20. März

Von Appenheim kommend rücken US-amerikanische Infanterie und Panzer in die Stadt ein und errichten ihre Kommandatur im Schloss Ardeck.

1945, 26. März

Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Erich Best sowie mehrere SA-Mitglieder werden, z. T. bis August 1946, in das Internierungslager Trier, das Zivil-Internierungslager Idar-Oberstein bzw. das Gefangenenlager Ludwigsburg verbracht.

1939 – 1945

In der Zeit von Diktatur und Krieg werden mehr als 200 Gau-Algesheimer getötet, ermordet oder vermisst. Fünf Gebäude werden durch Bomben zerstört.

Stand: erw., ND, 02.01.2018