Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

Der Laurenziberg - das ehemalige Bergen

Georg Wilhelm Justin Wagner 1865 über die Wüstung Bergen


Diese Karte zeigt auf kurmainzer Territorium Algesheim und Bergen (Laurenziberg) als selbstständige Orte.

Im 30jährigen Krieg wurde die Laurenzikirche mit den Berger Höfen zerstört. 1630 enden die Eintragungen im Berger Gerichtsbuch, die erst 1657 fortgeführt werden. Nach 1648 wurde neben der Ruine der alten Zentralkirche anstelle des späteren Küsterhauses eine kleine Kapelle errichtet, die den heiligen Laurentius, Sebastianus und Rochus, die beiden letzteren werden auch als „Pestheilige“ verehrt, geweiht war. Die große Pest von 1666 und eine einige Jahre später, 1670, ausgebrochene Viehseuche führten zur Wiederbelebung der Wallfahrt am Patronatsfest, dem 10. August, in Verbindung mit einer Tiersegnung.

Ausschnitt aus: Circulus Electorum Rheni Sive Rhenanus Inferior, Complectens Accuratam Descriptionem Archiepiscopatus Moguntini, Coloniensis et Trevirensis, Palatinatus Rheni, et Comitatus Beilstein, Newenaer, Inferioris Isenburg et Reiferscheit / Per Frederik de Wit, Amsterdam nach 1688


Alte Fotos

Blick auf den Laurenziberg
Wallfahrt mit Pferdesegnung

Der heilige Laurentius

Kontrapunkt aus dem Kulturkampf

Nach den bereits im 4. Jh. bekannten Legenden war Laurentius Diakon unter Papst Sixtus II. (257-258), verteilte die Güter der Kirche an die Armen und starb 258 unter Kaiser Valerianus (253-260) als Märtyrer auf dem Rost. Im Westen gegen die Germanen und im Osten gegen die Perser in Kämpfe um den Bestand des Römischen Reiches verwickelt, innenpolitisch von Wirtschaftskrisen geschlagen, hatten die römischen Herrscher die altrömische religiöse Toleranz hinter sich gelassen. Alle Untertanen sollten durch die Verehrung des einen Reichsgottes die innere Geschlossenheit des Imperiums bekunden und erleben. Laurentius und Papst Sixtus II. verloren gemeinsam im Rom ihr Leben. Cyprian, der als Bischof von Karthago die Antwort der Christen auf einen scharfen Nenner („Extra ecclesiam nulla salus“ - „Außerhalb der Kirche ist kein Heil“) brachte, wurde ebenfalls 258 als „der Feind der Götter Roms und das Oberhaupt einer strafbaren Gesellschaft“ enthauptet.

Die Vielzahl der Legenden, überlieferte Gespräche des Laurentius mit Sixtus und dem Henker sowie die Verehrung des Heiligen durch Päpste und Kaiser zeugen von der großen Anerkennung des Märtyrers. Das Grab des Laurentius gehörte zu den meistbesuchten römischen Stätten, als das Christentum zur Reichsreligion aufgestiegen war. Kaiser Konstantin verband seine Basilika durch eine Treppe mit dem Grab des Heiligen, die Päpste Damasus I (366-384), Pelagius II. (579-590) und Honorius III. (1216-27) ehrten ihn durch Inschriften und Kirchenbauten. San Lorenzo fuori le mura zählt zu den fünf Hauptkirchen der Ewigen Stadt.

Laurentius, der als junger Mann ohne Bart mit Tonsur und den Attributen Rost, Buch und Kreuzstab dargestellt wird, gilt als Patron der Armen, der Bibliothekare, der Köhler, Bäcker, Köche und Glasbläser; er wird bei Verbrennungen und Hexenschuß angerufen.

Über die Verehrung des Heiligen auf dem Laurenziberg schreibt anläßlich des Umbaus der Kapelle in den Jahren 1905/6 der damalige Pfarrer Friedrich Joseph Hensel im „Rheinischen Volksboten“:

„Nicht weit von Gau-Algesheim befindet sich inmitten eines großen Hofgutes eine Laurenzikapelle, früher Eberhard von Gutenberg, einen Ahnherrn unseres großen Gutenberg, gehörend mit ihrer ehrwürdigen Vergangenheit. Einer Kirche in Bergen geschieht zum erstenmal Erwähnung im Jahre 1307. Sie war dem hl. Laurentius geweiht, und war damals schon eine Pfarrkirche, zu der die Kirche in Ober-Hilbersheim als Filiale gehörte. Doch muß schon bald nach dieser Zeit die Pfarrei nach Ober-Hilbersheim übertragen worden sein, weil der dortige Pfarrer die Einkünfte der St. Laurenzikirche bezog. Nach der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert bekam die Kirchenverfassung eine andere Gestalt. Die ursprüngliche Kirche ging wahrscheinlich im 30jährigen Krieg samt dem Langwerth'schen Schlosse zu Grunde. Das Schloß wurde wieder aufgebaut und für die katholische Beständer ein kleines Kapellchen gebaut, welches den Heiligen Laurentius, Sebastianus und Rochus geweiht wurde. Wegen der pestartigen Krankheiten unter Menschen und Vieh kamen aus den benachbarten Orten Leute hierher, um zu diesen Pestpatronen um Hilfe zu flehen. Ein noch vorhandener Pfarrbericht aus dem Jahre 1719 gibt an, daß ein großer Zulauf von Leuten zu dieser alten Kapelle wegen der der Kapelle verliehen Ablässe am St. Laurentiusfest stattfand. Man entschloß sich deshalb eine geräumigere Kirche zu bauen, und auf den Fundamenten der alten Kirche sollte der neue Bau erstehen. Die Gaben flossen reichlich. Der noch jetzt vorhandene Hochaltar wurde aus dem Dom zu Mainz geschenkt. In der Revolutionszeit am Ende des 18. Jahrhunderts erlitt die Kapelle großen Schaden, doch wurde sie im Jahre 1797 durch milde Beiträge wieder so instand gesetzt, daß sie dem Gottesdienst wieder übergeben werden konnte. Zu Anfang des 19. Jahrhundert (1812) drohte der Kapelle der völlige Untergang. Ein Gutsbesitzer wollte den Platz käuflich erwerben, doch wurde der schlimme Plan rechtzeitig vereitelt, und die Kirche besteht noch heute, ein Heiligtum für die ganze Umgegend. Am zahlreichsten wird die Kapelle am 10. August, am Feste des hl. Laurentius und an dem darauffolgenden Sonntag, dem großen Wallfahrtstage, nicht nur aus der Umgegend, sondern auch aus weitere Ferne besucht. An diesem Tage selbst zieht Morgens in der Frühe die Prozession von Gau-Algesheim mit dem Sanktissimum zur Kapelle. Die Predigt wird im Freien gehalten; mehrere Messen, Hochamt und Vesper folgen aufeinander. Nach Beendigung der gottesdienstlichen Feierlichkeiten werden die Pferde gesegnet und dann zieht die Prozession wieder in die Pfarrkirche zurück. Zur Zeit wird die Laurenzikapelle wieder restauriert. Bauen kostet aber viel Geld und ist darum der Mildtätigkeit der frommen Wallfahrer zur Verschönerung dieses Gotteshauses freien Lauf gelassen. Wer Viel hat, gebe Viel; die weniger Bemittelten mögen aber auch eine Beisteuer zollen. Deswegen heute schon "Vergelt’s Gott".“

nach: Gau-Algesheim. Historisches Lesebuch, 1999, S. 306-308