Carl-Brilmayer-Gesellschaft e. V.

PARAVEY, Pierre François

  • Geboren am 5. Juni 1775 in Gray-la-Ville/Département de la Haute-Saône
  • Verstorben am 25. April 1828 in Paris, Alter: 52 Jahre alt, möglicherweise Suicid angesichts eines bevorstehenden Bankerotts
  • Verheiratet am 9. September 1795 in Grünstadt mit Maria Magdalena van RECUM (einer Schwester des Unterpräfekten Andreas van Recum), geboren am 28. Oktober 1770 in Grünstadt, verstorben im Jahre 1851, Eltern: Peter van RECUM 1716-1783 und Marie Susanna ZEILER 1726-1799 

 Weitere biographische Daten

  • 1794 Offizier der französischen Revolutionsarmee
  • 1799 Kaufmann in Koblenz, gehört mit einem Vermögen von 20.000 Francs zu den einhundert Höchstbesteuerten der Stadt Koblenz
  • 1801 Mitglied des Stadtrates in Koblenz
  • Verfasser der Schrift De la libre navigation du Rhin, ou reclamation des villes de la rive gauche contre le droit d'étape de Cologne et Mayence
  • 1802 Mitverfasser der Schrift De la Navigation du Rhin. Mémoire imprimé par ordre du Comité consultatif du commerce de Strasbourg  
  • Im Oktober 1803 ersteigert Paravey im Auftrag seines Schwagers Andreas van Recum, dem Sous-Préfect im Arrondissement Simmern, für 17.400 Franken in Kreuznach das Haus Nr. 10 mit Dépendance und Garten auf der Hohen Straße, das früher dem Fürsten von Bretzenheim gehörte. Andreas van Recum erwirbt daneben in Kreuznach das Rittergut Bangert und die Kauzenburg sowie hoch über dem Kellenbachtal die Schlossruine Dhaun. Die Ruine ersteigert Paravey für van Recum für 1.229 Franken.
  • 1804 Mitglied der Section Agriculture et commerce in der Koblenzer Société d'émulgation
  • 1808 Entrepreneur des travaux publics in Mainz
  • 1811 Mitglied im Collège électoral de départment des Departements Rhin-et-Moselle
  • 1812 Mitglied der Mainzer Handelskammer
  • 1812 Kauf des Guts Laurenziberg, ehemals Langwerthscher Besitz, das Paravey 1819 für 90.000 Franken wieder verkauft.
  • Im Jahre 1818 gründet Paravey in der rue Paradis Poissonnière, n. 21 ein établissement de banque commandité par le Duc de Dalberg et le Prince de Talleyrand. Das Bank- und Handelshaus Paravey et Cie ist an der Etablierung bedeutender Gesellschaften und an der Finanzierung großer Anleihen beteiligt, am Kanalbau, an der 1826 gegründeten Compagnie des Salines et Mines de Sel de l'Est, deren Verwaltungsrat von Paravey präsidierte.
  • 1825 Das Haus Paravey et Compagnie engagiert sich mit anderen Bankhäusern in der gerade unabhängig gewordenen Republik Haiti.

 Das Ende

Am 7. Mai 1828 meldet die Lemberger Zeitung: Das Handelshaus des Herrn Paravey in Paris  hat falliert und der Chef desselben ist verschwunden. Der Fürst von Talleyrand und der Herzog von Dalberg, die als Commanditaires an den Geschäften dieses Hauses Theil hatten, sollen drei bis vier Millionen dabei verlieren.

Am 12. Mai heißt es in demselben Blatt: Der Leichnam des verschwundenen Banquiers Paravey ist in der Seine gefunden worden.

Die Neue allgemeine Wiener Handlungs- und Industrie-Zeitung resümiert am 28. Mai: In den Bankerott des Hauses Paravey in Paris beläuft sich das Passivum auf 17 Mill. Franken, das Aktivum wird auf 13 Mill. angegeben, allein wie es scheint, um die Gläubiger einiger Maßen zu beruhigen. Der Chef und Gründer dieses Hauses, Herr Paravey, kam als Soldat an den Rhein, ließ sich in Mainz nieder, und legte hier durch glückliche Speculationen den Grund zu seinem nachherigen Reichtum.

Am 29. August weiß die Lemberger Zeitung von der Verdacht der Geschädigten zu berichten: daß der angebliche Selbstmörder sich sehr wohl befinde, und sich des Cassen-Bestandes erfreue, der wenige Tage vor seinem Verschwinden noch äußerst beträchtlich gewesen sey.

 

Literatur  

  • Clemens, Gabriele B., Immobilienhändler und Spekulanten. Die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Großkäufer bei den Nationalgüterversteigerungen in den rheinischen Departements (1803–1813), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1995.
  • Faber, Karl-Georg, Andreas van Recum, 1765-1828, ein rheinischer Kosmopolit, Pariser Historische Studien, Band 8, Ludwig Röhrscheid Verlag, Bonn, 1969
  • Faber, Karl-Georg, Das Pariser Bankhaus Paravey et Compagnie (1819-1828), in: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Steiner-Verlag, Stuttgart, Band 57, 1970, S. 145-230.

 Noch mehr Informationen ...

 

Zum Laurenziberger Kontext der Aktivitäten des Spekulanten Pierre François Paravey in den Jahren der Zugehörigkeit des linken Rheinufers zu Frankreich 

  • Manfred Wantzen, Gau-Algesheim. Historisches Lesebuch, 1999, S. 303

Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen, 1792, litt die Laurenzikirche besonders schwer. Sie diente als Unterkunft für die Soldaten. 1795 wurde ihr Inventar im kalten Winter verheizt. In der französischen Zeit, während dem das linke Rheinufer zu Frankreich gehörte, trachteten verschiedene Anlieger, aber auch die politische Gemeinde Gau-Algesheim nach dem Kirchenbesitz, welches damals 11 Morgen Land und einen ansehnlichen Kirchenfond umfaßte. Hierbei tat sich besonders unangenehm ein Gutsbesitzer namens Paravey hervor. Aus der Kirche wollte er eine Scheune machen oder sie abreißen. Der Gau-Algesheimer Pfarrer Jakob Göbel kämpfte ohne jede Unterstützung seitens der weltlichen Gemeinde gemeinsam mit dem Mainzer Bischof Ludwig Colmar verbissen um den Erhalt von Kirche und Wallfahrt und konnte sich zuletzt doch noch durchsetzen und das Gotteshaus retten.

  

  • Hellriegel, Ludwig, Der Laurenziberg und seine Kirche, Beiträge zur Geschichte des Gau-Algesheimer Raumes, Bd. 1, 1981, 2. Aufl. 1994, in: Der Laurenziberg, 1994, S. 5-65.

S. 33

Die profranzösischen Einwohner Gau-Algesheims, die zeitweilig das Heft in der Hand hielten, wagten es nicht, direkt gegen die Wallfahrt einzuschreiten. Sie verfolgten einen weit gefährlicheren Plan.

Als der ehemals in kurmainzer und danach in französischen Diensten stehende General Rudolf Eickemeyer in Gau-Algesheim Bürgermeister geworden und sein Verwandter August Horix die Stelle des Amtsschreibers und des Beigeordneten innehatte, drängten diese auf einen Verkauf der Laurenzikapelle, der danebenliegenden Glöcknerswohnung und der elf Morgen Laurenzigut an einen gewissen Grundbesitzer namens Paravey. Paravey hatte bereits die Genehmigung für diesen Verkauf bei der französischen Behörde erlangt.

Am 25.11.1812 schrieb Bischof J. L. Colmar von Mainz, an den sich Paravey unter Umgehung der Gau-Algesheimer gewandt hatte: Monsieur Goebel, Curé à Algesheim: … Im Fall die Kapell einging, würde ich die daselbst zu haltende Andacht in die Mutterkirch übertragen, wo ich selbst glaube, daß dieselbe mit mehr Ordnung, mit größerer Frucht für die Sittlichkeit und mit weniger Kösten gehalten wird.

Überlegen Sie die Sache mit einigen aus Ihren Kirchenräthen, und suchen Sie die Fabrik dahin zu stimmen, daß sie, wenn sie von der praefectur etwa aufgefordert würde, darüber zu berathschlagen, sie sich zu dem versteht, was die zeit und Umstände fordern. Vielleicht könnte ein etwaiger, bey der Andacht auf dem Berg mit der zeit sich ereignender Unfug, der polizey zu einer schnellen Aufhebung Anlaß geben, wobey dann vermuthiich die Fabrik nicht so vortheilhaft als itzt durchkommen dürfte.

Ertheilen Sie mir baldigst hierüber ihr Gutachten... ich grüße und Segne Sie + J. Ludwig

Pfarrer Göbel setzte alle Hebel zur Rettung der Laurenzikirche in Bewegung. Er versuchte verzweifelt mit allerlei Gründen die Angelegenheit hinauszuzögern. Den Vorschlag, die Wallfahrt in die 14 Nothelfer Kapelle auf dem Jakobsberg zu verlegen, lehnte er ab.

Wäre den Bemühungen Pfarrer Göbels zu guter Letzt nicht Blücher selbst zu Hilfe gekommen, der ab 1814 die französische Ära beendete, die Laurenzikirche wäre, wie viele Gotteshäuser damals, säkularisiert oder gar abgebrochen worden.

 

 

  • Wantzen, Manfred, Die Familie Langwerth von Simmern im Rheingau und ihr Beziehung zu Bergen/Laurenziberg bei Gau-Algesheim, in: Der Laurenziberg. Beiträge zur Geschichte des Gau-Algesheimer Raumes, Band 4, 1994, S. 66-163.

 

S. 155

Im Jahr 1817 weigerte sich der Hofmann H. Burkard die Pacht abzuliefern, sofern man ihm nichts schriftliches vorweisen könne. Darauf schrieb der Gau-Algesheimer Pfarrer Göbel an die bischöfliche Behörde in Mainz und fügte den ihm vorliegenden, letzten Willen des Regensburger Suffraganus bei mit der Bitte um Entscheidung, da er den gesamten Wortlaut dem Verwalter Burkard und dem, wie er vermutete, dahinter stehenden Paravey, nicht preisgeben wollte. Mainz antwortete, Pfarrer Göbel möge erst einmal klären, wer die Kosten für eine beglaubigte Abschrift trage.

Der zu dieser Zeit tätige Maire Eickemeyer und sein Stadtrat dachten nicht im geringsten daran, diese zu übernehmen. Außerdem war das Verhältnis zwischen Pfarrer Göbel und Bürgermeister Eickemeyer ein so gespanntes, daß ersterer sich wohl auch nicht traute, das Anliegen vorzutragen. Also überließ Pfarrer Göbel das Testament seiner vorgesetzten Behörde und erbat sich eine Kopie für das hiesige Pfarrarchiv. Inzwischen war das gesamte Langwerth'sehe Gut, Lehnhof, eigenes Gut, Stadecker Hof und Disibodenberger Gut auf dem Laurenziberg verkauft, aber schon kurz darauf an Michael Wetzler weiter veräußert worden. Die französischen Käufer hatten sich mit den Franzosen vom linken Rheinufer zurückgezogen, nachdem Preußen, Österreicher und Russen unter General Blücher das linke Rheinufer besetzt hatten. Zwischenzeitlich hatte das Hospital die anstehende Pacht wieder dank einer von Notar Gassner gefertigten Testamentsabschrift erhalten, die von dem 80j ährigen Kirchenvorstand Johann Kaiser beglaubigt worden war. Die ganze Angelegenheit ging dann in dem ziemlichen Durcheinander, den der Hospitalrechner, Lehrer Körner, hinterlassen hatte, unter. Schließlich wurde das Hospitalgut durch Bürgermeister Eickemeyer verkauft.

… Der Algesheimer „Schlendrian" in Verbindung mit dem Zeitgeist setzte dem Spitalgut ein Ende. Die Verhältnisse um das Hospital waren seit jeher unklar; Eickemeyer verfügte über das Spitalgut als sei es städtisches Eigentum.

S. 160

Ein Widerspruch oder gar ein Prozeß gegen den französischen Anspruch hätte einen Verlust sämtlicher linksrheinischer Güter nach sich ziehen können. Wenigstens einen der Berger Höfe, nämlich den von Georg Reinhard zuletzt erworbenen Hof, den Disibodenberger Hof, wollte Julie aus der Hypothekenmasse heraushalten. Dieser Hof war nicht mit einer ritterschaftlichen, sondern mit einer weiteren Hypothek, nämlich der Stift Wallensteinischen belastet. Dies machte die ganze Angelegenheit noch verworrener. Sie versprach 8000 fl. aus dem Laurenziberger Verkaufserlös direkt an das Stift auszuzahlen. Damit wollte sie die Befreiung sämtlicher mit Wallensteinscher Hypothek belasteter linksrheinischer Güter erreichen. Die Darmstädter wie auch die Nassauer Regierung unterstützten ihre Bemühungen. Ihr Einfluß auf die Abläufe links des Rheins waren jedoch gleich Null. Am 22. September schickte Julie ihren Bediensteten Joseph Arnheiter nach Schornsheim und zum Laurenziberg, um die Einwilligung der beiden Regierungen einem Herrn Parcus (Paravay?) vorzuzeigen, der das Berger Gut kaufen, jedoch nur 15000 fl. dafür zahlen wollte. Inzwischen bestand aber der französische Finanzminister in Paris auf der Zahlung der vollen Höhe der ritterschaftlichen Hypothek samt Zinsen und beauftragte den Präfekturrat Moosdorf die Forderung durchzusetzen. Nun wandte sich Julie an den westfälischen Gesandten von Ompteda in Darmstadt wegen der französischen Forderung. Napoleon hatte seinem Bruder Jerome Westfalen als Königreich geschenkt. Der Gesandte verfügte daher über gute Verbindungen zur französischen Regierung. Joseph Arnheiter wurde wieder mit einem persönlichen Schreiben der Freifrau und Dokumenten auf den Weg geschickt, diesmal nach Darmstadt. Der Großherzog persönlich ließ sich die Unterlagen vorlegen. Nach dem Studium versicherte er Julie seine volle Unterstützung zu und ließ seine Behörden entsprechend anweisen, wo irgendmöglich in Mainz für Julie zu intervenieren. Nun konnte nur noch „der Himmel weiterhelfen", seufzte Julie in ihren Aufzeichnungen. Geheimrat von Motz riet noch einmal persönlich in Darmstadt vorzusprechen. Julie wurde freundlich aufgenommen, selbst der Großherzog hörte sich ihre Sorgen an. Man riet ihr nach Gießen zu reisen, wo sich Kommisär von Buri aufhielt, der eine Entscheidung über ihr Replik treffen könne. In die Tat umgesetzt, konnte sie den Kommisar sogar überzeugen, so daß dieser sich bereit erklärte, die Hypothek gegen ein Revers zu löschen, in dem der Verkaufserlös, bis zur endgültigen Klärung, den Souveränen zu reservieren sei. Hessen-Nassau als Rechtsnachfolger des linksrheinischen Fürstentums Pfalz-Zweibrücken, Hessen-Darmstadt für die mittelrheinische Ritterschaft. Schon waren die Dokumente ausgetauscht, als Präfekturrat Moosdorf, der die französischen Interessen vertrat, Widerspruch gegen die getroffene Einigung und Löschung der Hypothek einlegte. Ompteda empfahl die Vereinbarung rückgängig zu machen und die Angelegenheit „der Gerechtigkeit der französischen Behörde zu überlassen". Der französische Arm reichte also weit über den Rhein hinaus und die deutschen Anrainerstaaten, der Rheinische Bund, hatten zu gehorchen. Auch Herr von Motz äußerte die Auffassung, Frankreich habe keinen Anspruch auf die Hypothekenschuld von 15000 fl.

Inzwischen hatten die französischen Behörden die Schuldverschreibung an sich genommen. Geheimrat von Buri bemühte sich Julie in einem Schreiben zu beruhigen „allein nur Hoffnungen, keine Resultate" könne er ihr mitteilen. Es war inzwischen Dezember 1811 geworden. Der Mut und die Ausdauer Julie Langwerth von Simmern sind zu bewundern! Diese tapfere Frau ließ nicht locker, trotz aller Enttäuschungen kämpfte sie weiter für Ihren Laurenziberg und ließ sich immer neue Schritte einfallen. Auf Veranlassung Herbers wandte sich Julie im Februar 1812 an den Hofkammerrat Krüger, damit dieser ein gutes Wort für sie bei dem Domänendirektor Guyon in Mainz einlege.

S. 162

Im Juni 1812 reist Julie erneut nach Mainz, um mit Camutzi und ihrem Anwalt Hantel zu sprechen. Ein Herr Blanchet übernimmt das Referat in Sachen der ritterschaftlichen Hypothek, da der bisherige Sachbearbeiter bei der Präfektur sich dazu nicht in der Lage sah. Während der Verkauf der Güter unter Dach und Fach war, stand das Ende des Rechtsstreits mit dem französischen Staat noch aus. Nach Vorlage des vom Präfekten günstig abgefassten Referendum und dessen Weiterleitung zum französischen Minister in Paris, empfahl Blanchet Julie jetzt sich in Paris an den Premier Commis des bureaux des finances, M. Legrand, zu wenden. Sie solle an Mme Chenier, nee des Noos, schreiben und um Fürsprache bitten.

Im August reiste Julie nach Hannover. Zuvor hatte sie Herrn von Motz und Herrn von Ritter alle sich auf die Karl Philippsche Sache beziehenden Angelegenheiten übergeben. Herrn von Ritter übergab sie auch ihr Testament. Ihr Wunsch war es noch einmal nach England zu fahren, um ihre Söhne Adolf und Carl wiederzusehen. Die Kontinentalsperre machte ihre Pläne jedoch zunichte. Im Oktober kehrte sie an den Rhein zurück.

Im April 1813 kam von Herrn Camutzi die Nachricht, daß der französische Finanzminister dem Mainzer Präfekten Anweisung erteilt habe, die Hypothek als ungültig zu löschen.

Das Gut Bergen ging nun in den Besitz des Herrn Camutzi über. Es umfaßte zuletzt samt dem Zukauf von Georg Reinhard fast 500 Morgen. Der gesamte rechtrheinische Besitz, davon 41 M. Weinberge betrug demgegenüber 1816 ca. 114 Morgen. Mehr als 350 Jahre war Bergen und der Laurenziberg im Besitz der Freiherrn Langwerth von Simmern, die es zu dem gemacht hatten, was es an Größe zuletzt war. Juliane Langwerth von Simmern hatte sich die Trennung von dem uralten Familienbesitz nicht leicht gemacht. An ein Zurück war nicht mehr zu denken. Tragisch bleibt, daß der Verlust in einer Zeit passierte, in der die Tage der französischen Herrschaft am linken Rheinufer gezählt waren.

 

S. 163

Kaufvertrag vom 29. Dezember 1819

Notar Jacob Gebhard vom Kanton Oberingelheim, Kreisgericht von Mainz, in Gegenwart von Staatsrath von Camutzi, Mainz, als Vollmachtinhaber für Herrn Peter Franz Paravey und dessen Gattin Magdalena gebürtige Van Recum, als Banquier in Paris wohnhaft vollzieht den Verkauf der Laurenziberger Güter an die Gebrüder Johann Georg Rang, Gutsbesitzer von Laumersheim, und Jakob Heinrich Rang auf dem Laurenziberger Hof im Bann der Gemeinde Gaualgesheim wohnhaft. Ungefähr 300 Morgen an Güter, bestehend in Aecker, Weinbergen, Wiesen und unbebautem Feld, sowie den bis heute noch nicht veräußerten Rest des Laurenziberger Hofguts und den Anteil am Gemeindegut von Gaualgesheim, welchen P. F. Parvey unterm 19.4.1819 ersteigert.

 

  • Gondolf, Werner, Die Berger/Laurenziberger Urkunden, in: Der Laurenziberg. Beiträge zur Geschichte des Gau-Algesheimer Raumes, Band 36, 1994, S. 165-276.

S. 216

1812

Auskunft des Kirchenraths-Mitglieds Jean Kaiser den geplanten Umtausch der Laurenziberger Güter betreffend.

Kaiser weist daraufhin, daß die von Paravey angebotenen Felder an der Algesheimer Gemarkungsgrenze von schlechter Qualität sind und deshalb man besser auf Bargeld besteht. Wenn man die Wallfahrt in die Nothelfer-Kapelle bei Ockenheim verlegt, dann könnte man die beiden Fabriken (Kirchenkassen) zusammenlegen und die Nothelfer-Kapelle, die dem Einsturz nahe ist, aufbauen. Die Beschwerde des Herrn Paravey, daß ihm bei der Wallfahrt die Früchte zertreten werden, „kann nicht in Anschlag genommen werden", zumal die Kirche ja noch den sogenannten „Schützengarten" besitzt.

KPA Gau-Algesheim, Mappe, Kapelle auf dem Laurenziberg

1812, 25. November

Eigenhändig von Bischof Ludwig Colmar, Mainz, geschriebener Brief an Pfr. Goebel in Gau-Algesheim

„Man steht im Begriff, würdiger Seelsorger, bey der Regierung um das Eigenthum der Laurenzi-Kapll und der ihr anhangenden 11 Morgen gegen eine billige Vergütung anzusuchen. Ich zweifle auch nicht, daß man (sich) nicht durchsetzen werde; denn die Regierung verspricht sich nicht viel für Religion und Sitten von den Wallfahrten, und sucht lieber, daß sich die Christen in ihren Pfarrkirchen vereinigen.

Den Werth der Kapell will man an Aeckern an die Fabrik abtragen, und jene andere Aecker, die bey der Kapell liegen, in solche umtauschen, die nah an Algesheim liegen, alles mit einer ziemlichen Begünstigung für die Kirch.

Im Fall die Kapell eingieng, würde ich die daselbst zu haltende Andacht in die Mutter-Kirch übertragen, wo ich selbst glaube, daß dieselbe mit mehr Ordnung, mit größerer Frucht für die Sittlichkeit, und mit wenigern Kösten gehalten werden wird.

Überlegen Sie die Sach mit einigen aus ihren Kirchenräthen, und suchen Sie die Fabrik dahin zu stimmen, daß sie, wenn sie von der prefaectur aufgefordert würde, darüber zu berathschlagen, sie sich zu dem versteht, was die Zeit und Umstände fordern. Vielleicht könnte ein etwaiger, bey der Andacht auf dem Berg mit der Zeit sich ereignender unfug, der polizey zu einer schnellen Aufhebung Anlaß geben, wobey dann vermuthlich die Fabrik nicht so vortheilhaft als itzt durchkommen dürfte.

Ertheilen Sie mir baldigst hierüber ihr Gutachten und die Stimmung des Kirchen-raths, den ich in jedem fürs beste der Kirch und der Religion wichtigen Fall, nach Kräften unterstützen werde. Ich grüße und Segne Sie + J. Ludwig"

KPA Gau-Algesheim, Mappe, Kapelle auf dem Laurenziberg

 

S. 217

1812, 12. Februar

Bericht in betreff der Laurenzirger Kapelle

Diese Kirche ist keine Kapelle, sondern sehr geräumig, kann mit der Vorbühne 1500 Menschen fassen, ist dauerhaft und wohl gebaut. . . Ist schöner als unsere Mutterkirche (in Gau-Algesheim), mit neuen Fenstern versehen...

Im Falle nun diese Kirche an den Eigenthümer des Laurentiusberg (Paravey) abgegeben werden soll, so wird entweder dieselbe abgerissen oder man haltet dieselbe bey... Soll man der Laune eines reichen Mannes nachgeben, der alles mit Geld zwingen will. Will denn dieser keinen Naboth neben sich dulten... und sie wird zur Scheune, zum Stall oder einem schwarzen Tempel verwandelt. So wird das Ärgerniß noch größer, besonders da der Eigenthümer ein Katholik seyn soll.

Man müßte daraus urtheilen, er thue es aus Haß gegen seine Religion oder seye von solchen Menschen dazu beredet worden, denen die Kirche schon längstens ein Stein des Anstoßes wäre. Wie auch zu vermuthen steht, weil man alle katholische Beständer nach kurz gesetzter Zeitfrist mit Drohung nicht eher auszuzahlen, beseitiget, und den armen zur Arbeith untauglichen 7 Kinder habenden Joannes Krays ehemaligen Beständer, den man als Schütz beybehalten wollte, jetzt auch noch mit 150 fi besteuern und beseitigen sucht, auch nach und nach die katholische Knechte und Mägde umschaßt, einen Wiedertäufer auf dieses Gut als Geißelhofmann (?) setzte: der schon längst aussprengte: Von Ihm bischöflichen Gnaden von dieser Kirchen und ihren appertinentien die Zusage (habe).

Die Kirche ist meines erachtens unter 6000 fi nicht gebaut worden, das Klöcknerhäusgen samt Scheuer mit Gütgen und Kirchhof ist auch 2000 fi werth. Dazu ist noch keine Vorbühne, Altar, Klocken, Bildnisse etc. mit gerechnet"

KPA Gau-Algesheim, Berichtenbuch 1811-1818 etc.

S. 217

1812, 12. Oktober

Reverendissimus an Pfarrer Goebel

„Würdiger Seelsorger, die gründlichen Bemerkungen, die sie und ihr Kirchenrath unter dem 2ten dieses (Monats) über mein Schreiben vom 25. 9bris in Betreff der Veräußerung der Kirche und Kirchengüter auf dem Laurenzibeg machen, machen mir es zur Pflicht, ihnen nach Kräften beyzustehen, und ihre Rechte zu behaupten. Es wäre gewiß unbillig eine ganze Gemeinde, und eine ganze Gegend zu bedrücken, um einem privat Mann, so gut er auch denken mag, einen Gefallen zu leisten. Solten Sie über diesen Gegenstand abermal angegangen werden, so geben Sie mir alsbald Nachricht davon. Ich grüße und segne Sie + Ludwig"

KPA Gau-Algesheim, Berichtenbuch 1811-1818 etc.

 

S. 219

1829

Die Langwerthschen Güter. ehemals Disibodenberger Besitz betreffend, 1829. Beschreibung des Besitzes vom 22.2.1780, abschriftlich im Archiv in Meisenheim gefertigt am 30.5.1825. Laut Notariatsakt ist das fragliche Gut am 9.9.1812 an den damaligen Handelsmann in Mainz Peter Franz Parwey übertragen worden. Es ging darum, einer Verjährungsfrist zuvorzukommen.

StArchSp U 249/62a Kirchenangelegenheiten